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Konzert
und Begegnungsabend
Deutschsprachiges Wirtschaftsforum der besonderen Art / Von
Siegfried Thiel
Temeswar - Zum Teil lange Anreisen hatten
Vertreter mehrerer Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs in Rumänien
auf sich genommen, um bei einem Festkonzert am Donnerstag
in Arad dabei zu sein. Zu dieser EU-Beitrittsveranstaltung
hatten das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar
und der Deutsch-Rumänische Wirtschaftsverein in Arad
eingeladen. Beethoven, Brahms, Ravel – von ihnen stammen
die Werke, die die Staatsphilharmonie darbot und auf der Bühne
stand dann ebenfalls ein Deutscher: Dirigent Ulrich Backofen
aus Wiesbaden. Innerhalb von einigen Jahrzehnten sei, die
Europäische Union von sechs auf 27 Mitglieder gewachsen
und „wurde eine beispiellose Geschichte für regionale
Entwicklung und wirtschaftliche Kooperation“, sagte
Rolf Maruhn, Deutschlands Konsul in Temeswar.
Auf ihre Art wollten mit diesem Festkonzert die Unternehmer
aus dem deutschen Sprachraum, aber auch ihre Geschäftspartner
den EU-Beitritt Rumäniens würdigen und feiern. Dazu
kommt, dass es eine gute Gelegenheit für Vertreter der
Wirtschaftsclubs aus Sathmar, Temeswar, Bukarest und Arad
war, sich mit ihren Kollegen und Freunden aus den anderen
Regionen Rumäniens zu treffen. Pompilia Szellner, zwar
Werksleiterin in Turnu Severin, aber nach wie vor mit ihrer
Heimatstadt Arad eng verbunden (sie ist stellvertretende Vorsitzende
des Deutsch-Rumänischen Wirtschaftsvereins in Arad) kann
sich ab nun häufiger Begegnungsabende der Mitglieder
deutschsprachiger Wirtschaftsvereine in Rumänien vorstellen.
Die beiden Vorsitzenden der Wirtschaftsclubs in Bukarest und
Temeswar (Peter Simon bzw. Peter Hochmuth) sind fast auf dem
gleichen Level, wenn sie darauf hinweisen, dass es relativ
gute Kontakte zwischen den Clubs und ihren Mitgliedern gibt,
obwohl Treffen über Regionen hinweg manchmal zeitaufwendig
sind. Vor allem was die Lobbyarbeit betrifft, können
sich Unternehmer gerade über Wirtschaftsclubs gut ergänzen,
denn sie haben spezielle Kontakte in den jeweiligen Regionen,
„doch ähnliche Probleme“, sagte Peter Simon.
Manfred Engelmann, der dem Club in Sathmar vorsteht, will
noch in diesem Jahr zu einer gemeinsamen Veranstaltung nach
Nordsiebenbürgen einladen.
Ansturm
wegen Personalausweisen
Wieder lästige Warteschlangen bei der Personenstandsbehörde
hib. Kronstadt – Die Ankündigung,
dass bei Reisen in EU-Länder nicht mehr der gültige
Reisepass nötig ist, sondern auch der einfache Personalausweis
ausreicht, scheint viele Kronstädter daran erinnert zu
haben, dass sie wohl so einen Ausweis besitzen, dieser jedoch
abgelaufen ist. Das könnte eine Erklärung für
den Ansturm sein, dem die vier Schalter der Personenstandsbehörde
(SPCLEP) in Kronstadt/Brasov seit Jahresanfang ausgesetzt
sind.
Besagte Meldebehörde befindet sich seit vergangenem Jahr
beim Sitz des alten Bürgermeisteramtes.
Sie wurde nach kostspieligen Einrichtungsarbeiten mit dem
Versprechen eingeweiht, dass die lästigen Warteschlangen
nun endlich der Vergangenheit angehören. Doch die Rechnung
scheint nicht zu stimmen: Den knapp 1200 Antragstellern, die
sich ab 3. Januar - nicht gerade geduldig - in die Schlangen
eingereiht haben, steht nur eine Lichtbildkabine zur Verfügung,
da die zweite zurzeit angeblich modernisiert wird. George
Rosca, Leiter des Amtes, erklärte, die Zahl der registrierten
Anträge sei etwa dreimal höher als in der gleichen
Zeitspanne des Vorjahres.
Die meisten Anträge kommen von Besitzern alter Personalausweise
(buletin de identitate), die schon einmal um 10 Jahre verlängert
wurden.
Diese Ausweise mögen wohl noch im Inland gültig
sein, doch für eine Reise ins Ausland können sie
nicht verwendet werden. Die neuen Personalausweise aus Kunststoff
(carte de identitate), die schon seit ungefähr zehn Jahren
im Umlauf sind, entsprechen jedoch auch nicht vollständig
den EU-Auflagen in diesem Bereich. So fehlt ihnen z.B. ein
in den Kunststoff eingeschweißter Mikrochip mit magnetisch
gespeicherten Personendaten, den z.B. Schweden bei der Einreise
fordert.
Doch bis es neue, EU-konforme Personalausweise geben wird,
steht man für die geläufigen Ausweise an, und zwar
montags, mittwochs und freitags zwischen 8.30 und 14.00 Uhr
sowie dienstags und donnerstags zwischen 12.00 und 18.30 Uhr.

Weitere
90 Straßen
hb. Hermannstadt – Wer gemeint hat,
2007 werde es keine Baustellen auf den Straßen in Hermannstadt/Sibiu
geben, der hat sich geirrt. Rund 90 Fahrwege und Plätze
umfasst das Infrastruktur-Erneuerungsprogramm, welches heuer
umgesetzt werden soll, gab Bürgermeister Klaus Johannis
auf der Donnerstagspressekonferenz bekannt. Es ist das umfassendste
Modernisierungsvorhaben der Straßen und urbanen Infrastruktur
seit Ende des Krieges. Die Kosten der Arbeiten wurden auf
über 57 Millionen Lei veranschlagt, wovon 22,6 Millionen
im Stadtbudget vorgesehen sind, der Rest stellt eine erneute
Anleihe von der Europäischen Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung (BERD) dar.
Beendet werden zunächst die im Vorjahr begonnenen Instandsetzungsarbeiten
um den Bahnhofs- und den Hermannsplatz/Piata Unirii sowie
an der Jungen-Wald-Straße/Calea Dumbrãvii und
am Mühlberg/Alba-Iulia-Straße und den Anrainerstraßen.
Ende 2006 wurden die Erneuerungsarbeiten für drei Gruppen
mit insgesamt 36 Straßen ausgeschrieben, die in den
Gegenden Junge-Wald – Stefan-cel-Mare-Straße,
Poplaker-Straße/Calea Poplãcii – Dimitrie
Can-temir liegen sowie die Gassen zwischen Stefan-cel-Mare-
und Bâlea-Straße. Investitionen sollen heuer sodann
an 22 Straßen in den Randvierteln Neppendorf/Turnisor,
Tiglari und Lazarett getätigt werden.

Getreidepreise
hochgeschnellt
Mastschweine sind für Kleinzüchter unrentabel billig
geworden
wk.Reschitza. – Laut Angaben der Beratungsstelle
für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Karasch-Severin
sind seit Jahresbeginn die Getreidepreise hochgeschnellt und
– nach alter Traditionsreaktion – die Preise für
Mastschweine in den Keller gesackt. Ob das mit dem EU-Beitritt
Rumäniens zusammenhängt oder nicht bleibt dahingestellt
– grundsätzlich sind aber vor allem im ländlichen
Raum so prompte wirtschaftliche Reaktionen wenig wahrscheinlich.
Im Banater Bergland wird Getreide immer noch nach dem alten
Maß (oder der Metze) verkauft, also gemessen in vom
Fassbinder gefertigten Standartgefäßen aus Holz,
einer Art Zubern, die etwa 15 kg fassen.
Das Maß/die Metze Mais kostete auf den richtungsweisenden
(d.h. preisbestimmenden) Bauernmärkten von Grãdinari
und Rãcãsdia in der fruchtbaren Orawitzaer Senke
vergangene Woche 10 Lei (alt: 100 000 Lei), die Metze/das
Maß Weizen 8-9 Lei. Damit haben sich die Getreidepreise
faktisch verdoppelt, denn der Mais kostete während der
herbstlichen Erntezeit 3, danach und bis Jahreswende 5 Lei
das Maß, der Weizen 4-5 Lei die Metze. Zu den Preisen
von Ende 2006 deckte der Bauer mit seiner kleinflächigen
Wirtschaft nicht mal die Investionskosten für einen Hektar
Getreide. Anders jetzt, nur ist die Anbaufrist für Winterweizen
längst vorbei.
Parallel zur Preisentwicklung auf dem Getreidemarkt sackten
die Preise für Mastschweine sehr stark ab. Um Weihnachten
2006 konnte man ein Mastschwein noch zum Lebendgewicht von
5-5,5 Lei/kg verkaufen, gegenwärtig kosten sie 3-3,5
Lei/kg und sind auch so schwer loszuschlagen, weil die Großschlächtereien
sich ihre Schweinehälften fast ausschließlich aus
Ungarn und Polen, also aus der EU, bringen lassen und selbst
Schlächtereien, die noch traditionell selber schlachten
kaufen ihre Schweine in der EU. Einerseits wegen der Qualität
der hochgezüchteten Schweinerassen (Fleischanteile von
60 Prozent und darüber), andrerseits wegen der geringen
Verkaufspreise, die sogar unter den gegenwärtigen als
extrem niedrig empfundenen Verkaufspreisen für Mastschweine
in Rumänien liegen.
Da viele der Großschlächtereien ihre Firmensitze
in „benachteiligte Zonen“ verlegt haben, wo sie
der Importzölle für Rohstoffe enthoben sind, kommen
sie wirtschaftlich sehr gut weg. Die Schlächtereien bieten
den Bauern gegenwärtig weniger als 3 Lei/kg Lebendgewicht
als Ankaufspreis an.

Hochzeits-Boom
in Nussbach
So etwas hat es in der Geschichte der Burzenländer Gemeinde
Nussbach/Mãierus noch nie gegeben. Bis Ende Februar
sollen rund 300 Ehen standesamtlich geschlossen werden. Bürgermeister
Dorel Toderas macht sich bereits Sorgen. Eine Planung der
Eheschließungen ist notwendig, um dieser Hochzeitswelle
gewachsen zu sein; der Gemeindesaal wird in Anspruch genommen,
weil es beim Bürgermeisteramt zu eng wird. Die Beamten
werden im Dauereinsatz sein, denn bis zu zehn Eheschließungen
pro Tag stehen an.
Die Erklärung für diese rasante Zunahme der Eheschließungen
ist denkbar einfach, wenn man zwei Fakten berücksichtigt.
Bei den ungeduldigen Eheleuten handelt es sich fast ausschließlich
um Roma. Und ab Jahresanfang zahlt der Staat für jede
erste Ehe eine „Starthilfe“ von 200 Euro. Das
hat sich in Nussbach, eher als in anderen Gemeinden im Kreis
Kronstadt/Brasov, herumgesprochen, so dass nun auch jene Roma-Familien
- und diese bilden offenbar die Mehrheit - zum Standesamt
kommen, die bisher ohne legale Formen zusammengelebt haben.
Selbst 16-Jährige fragen nun nach, welche Akten für
die Eheschließung notwendig sind.
In Nussbach wie auch in den anderen Burzenländer Gemeinden
haben sich die Zeiten und die Ortsbewohner geändert.
War früher der Februar der Faschingsmonat - vor allem
bei den Sachsen und den Ungarn -, so werden nun in der Ortschronik
der Januar und der Februar 2007 als Monate der Roma-Hochzeiten
verzeichnet werden.
Ralf Sudrigian
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