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Samstag, 20. 1. 2007

 

Konzert und Begegnungsabend
Deutschsprachiges Wirtschaftsforum der besonderen Art / Von Siegfried Thiel

Temeswar - Zum Teil lange Anreisen hatten Vertreter mehrerer Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs in Rumänien auf sich genommen, um bei einem Festkonzert am Donnerstag in Arad dabei zu sein. Zu dieser EU-Beitrittsveranstaltung hatten das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar und der Deutsch-Rumänische Wirtschaftsverein in Arad eingeladen. Beethoven, Brahms, Ravel – von ihnen stammen die Werke, die die Staatsphilharmonie darbot und auf der Bühne stand dann ebenfalls ein Deutscher: Dirigent Ulrich Backofen aus Wiesbaden. Innerhalb von einigen Jahrzehnten sei, die Europäische Union von sechs auf 27 Mitglieder gewachsen und „wurde eine beispiellose Geschichte für regionale Entwicklung und wirtschaftliche Kooperation“, sagte Rolf Maruhn, Deutschlands Konsul in Temeswar.

Auf ihre Art wollten mit diesem Festkonzert die Unternehmer aus dem deutschen Sprachraum, aber auch ihre Geschäftspartner den EU-Beitritt Rumäniens würdigen und feiern. Dazu kommt, dass es eine gute Gelegenheit für Vertreter der Wirtschaftsclubs aus Sathmar, Temeswar, Bukarest und Arad war, sich mit ihren Kollegen und Freunden aus den anderen Regionen Rumäniens zu treffen. Pompilia Szellner, zwar Werksleiterin in Turnu Severin, aber nach wie vor mit ihrer Heimatstadt Arad eng verbunden (sie ist stellvertretende Vorsitzende des Deutsch-Rumänischen Wirtschaftsvereins in Arad) kann sich ab nun häufiger Begegnungsabende der Mitglieder deutschsprachiger Wirtschaftsvereine in Rumänien vorstellen.

Die beiden Vorsitzenden der Wirtschaftsclubs in Bukarest und Temeswar (Peter Simon bzw. Peter Hochmuth) sind fast auf dem gleichen Level, wenn sie darauf hinweisen, dass es relativ gute Kontakte zwischen den Clubs und ihren Mitgliedern gibt, obwohl Treffen über Regionen hinweg manchmal zeitaufwendig sind. Vor allem was die Lobbyarbeit betrifft, können sich Unternehmer gerade über Wirtschaftsclubs gut ergänzen, denn sie haben spezielle Kontakte in den jeweiligen Regionen, „doch ähnliche Probleme“, sagte Peter Simon. Manfred Engelmann, der dem Club in Sathmar vorsteht, will noch in diesem Jahr zu einer gemeinsamen Veranstaltung nach Nordsiebenbürgen einladen.



Ansturm wegen Personalausweisen
Wieder lästige Warteschlangen bei der Personenstandsbehörde

hib. Kronstadt – Die Ankündigung, dass bei Reisen in EU-Länder nicht mehr der gültige Reisepass nötig ist, sondern auch der einfache Personalausweis ausreicht, scheint viele Kronstädter daran erinnert zu haben, dass sie wohl so einen Ausweis besitzen, dieser jedoch abgelaufen ist. Das könnte eine Erklärung für den Ansturm sein, dem die vier Schalter der Personenstandsbehörde (SPCLEP) in Kronstadt/Brasov seit Jahresanfang ausgesetzt sind.
Besagte Meldebehörde befindet sich seit vergangenem Jahr beim Sitz des alten Bürgermeisteramtes.

Sie wurde nach kostspieligen Einrichtungsarbeiten mit dem Versprechen eingeweiht, dass die lästigen Warteschlangen nun endlich der Vergangenheit angehören. Doch die Rechnung scheint nicht zu stimmen: Den knapp 1200 Antragstellern, die sich ab 3. Januar - nicht gerade geduldig - in die Schlangen eingereiht haben, steht nur eine Lichtbildkabine zur Verfügung, da die zweite zurzeit angeblich modernisiert wird. George Rosca, Leiter des Amtes, erklärte, die Zahl der registrierten Anträge sei etwa dreimal höher als in der gleichen Zeitspanne des Vorjahres.
Die meisten Anträge kommen von Besitzern alter Personalausweise (buletin de identitate), die schon einmal um 10 Jahre verlängert wurden.

Diese Ausweise mögen wohl noch im Inland gültig sein, doch für eine Reise ins Ausland können sie nicht verwendet werden. Die neuen Personalausweise aus Kunststoff (carte de identitate), die schon seit ungefähr zehn Jahren im Umlauf sind, entsprechen jedoch auch nicht vollständig den EU-Auflagen in diesem Bereich. So fehlt ihnen z.B. ein in den Kunststoff eingeschweißter Mikrochip mit magnetisch gespeicherten Personendaten, den z.B. Schweden bei der Einreise fordert.

Doch bis es neue, EU-konforme Personalausweise geben wird, steht man für die geläufigen Ausweise an, und zwar montags, mittwochs und freitags zwischen 8.30 und 14.00 Uhr sowie dienstags und donnerstags zwischen 12.00 und 18.30 Uhr.



Weitere 90 Straßen

hb. Hermannstadt – Wer gemeint hat, 2007 werde es keine Baustellen auf den Straßen in Hermannstadt/Sibiu geben, der hat sich geirrt. Rund 90 Fahrwege und Plätze umfasst das Infrastruktur-Erneuerungsprogramm, welches heuer umgesetzt werden soll, gab Bürgermeister Klaus Johannis auf der Donnerstagspressekonferenz bekannt. Es ist das umfassendste Modernisierungsvorhaben der Straßen und urbanen Infrastruktur seit Ende des Krieges. Die Kosten der Arbeiten wurden auf über 57 Millionen Lei veranschlagt, wovon 22,6 Millionen im Stadtbudget vorgesehen sind, der Rest stellt eine erneute Anleihe von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (BERD) dar.

Beendet werden zunächst die im Vorjahr begonnenen Instandsetzungsarbeiten um den Bahnhofs- und den Hermannsplatz/Piata Unirii sowie an der Jungen-Wald-Straße/Calea Dumbrãvii und am Mühlberg/Alba-Iulia-Straße und den Anrainerstraßen. Ende 2006 wurden die Erneuerungsarbeiten für drei Gruppen mit insgesamt 36 Straßen ausgeschrieben, die in den Gegenden Junge-Wald – Stefan-cel-Mare-Straße, Poplaker-Straße/Calea Poplãcii – Dimitrie Can-temir liegen sowie die Gassen zwischen Stefan-cel-Mare- und Bâlea-Straße. Investitionen sollen heuer sodann an 22 Straßen in den Randvierteln Neppendorf/Turnisor, Tiglari und Lazarett getätigt werden.



Getreidepreise hochgeschnellt
Mastschweine sind für Kleinzüchter unrentabel billig geworden

wk.Reschitza. – Laut Angaben der Beratungsstelle für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Karasch-Severin sind seit Jahresbeginn die Getreidepreise hochgeschnellt und – nach alter Traditionsreaktion – die Preise für Mastschweine in den Keller gesackt. Ob das mit dem EU-Beitritt Rumäniens zusammenhängt oder nicht bleibt dahingestellt – grundsätzlich sind aber vor allem im ländlichen Raum so prompte wirtschaftliche Reaktionen wenig wahrscheinlich.
Im Banater Bergland wird Getreide immer noch nach dem alten Maß (oder der Metze) verkauft, also gemessen in vom Fassbinder gefertigten Standartgefäßen aus Holz, einer Art Zubern, die etwa 15 kg fassen.

Das Maß/die Metze Mais kostete auf den richtungsweisenden (d.h. preisbestimmenden) Bauernmärkten von Grãdinari und Rãcãsdia in der fruchtbaren Orawitzaer Senke vergangene Woche 10 Lei (alt: 100 000 Lei), die Metze/das Maß Weizen 8-9 Lei. Damit haben sich die Getreidepreise faktisch verdoppelt, denn der Mais kostete während der herbstlichen Erntezeit 3, danach und bis Jahreswende 5 Lei das Maß, der Weizen 4-5 Lei die Metze. Zu den Preisen von Ende 2006 deckte der Bauer mit seiner kleinflächigen Wirtschaft nicht mal die Investionskosten für einen Hektar Getreide. Anders jetzt, nur ist die Anbaufrist für Winterweizen längst vorbei.

Parallel zur Preisentwicklung auf dem Getreidemarkt sackten die Preise für Mastschweine sehr stark ab. Um Weihnachten 2006 konnte man ein Mastschwein noch zum Lebendgewicht von 5-5,5 Lei/kg verkaufen, gegenwärtig kosten sie 3-3,5 Lei/kg und sind auch so schwer loszuschlagen, weil die Großschlächtereien sich ihre Schweinehälften fast ausschließlich aus Ungarn und Polen, also aus der EU, bringen lassen und selbst Schlächtereien, die noch traditionell selber schlachten kaufen ihre Schweine in der EU. Einerseits wegen der Qualität der hochgezüchteten Schweinerassen (Fleischanteile von 60 Prozent und darüber), andrerseits wegen der geringen Verkaufspreise, die sogar unter den gegenwärtigen als extrem niedrig empfundenen Verkaufspreisen für Mastschweine in Rumänien liegen.

Da viele der Großschlächtereien ihre Firmensitze in „benachteiligte Zonen“ verlegt haben, wo sie der Importzölle für Rohstoffe enthoben sind, kommen sie wirtschaftlich sehr gut weg. Die Schlächtereien bieten den Bauern gegenwärtig weniger als 3 Lei/kg Lebendgewicht als Ankaufspreis an.



Hochzeits-Boom in Nussbach

So etwas hat es in der Geschichte der Burzenländer Gemeinde Nussbach/Mãierus noch nie gegeben. Bis Ende Februar sollen rund 300 Ehen standesamtlich geschlossen werden. Bürgermeister Dorel Toderas macht sich bereits Sorgen. Eine Planung der Eheschließungen ist notwendig, um dieser Hochzeitswelle gewachsen zu sein; der Gemeindesaal wird in Anspruch genommen, weil es beim Bürgermeisteramt zu eng wird. Die Beamten werden im Dauereinsatz sein, denn bis zu zehn Eheschließungen pro Tag stehen an.

Die Erklärung für diese rasante Zunahme der Eheschließungen ist denkbar einfach, wenn man zwei Fakten berücksichtigt. Bei den ungeduldigen Eheleuten handelt es sich fast ausschließlich um Roma. Und ab Jahresanfang zahlt der Staat für jede erste Ehe eine „Starthilfe“ von 200 Euro. Das hat sich in Nussbach, eher als in anderen Gemeinden im Kreis Kronstadt/Brasov, herumgesprochen, so dass nun auch jene Roma-Familien - und diese bilden offenbar die Mehrheit - zum Standesamt kommen, die bisher ohne legale Formen zusammengelebt haben. Selbst 16-Jährige fragen nun nach, welche Akten für die Eheschließung notwendig sind.

In Nussbach wie auch in den anderen Burzenländer Gemeinden haben sich die Zeiten und die Ortsbewohner geändert. War früher der Februar der Faschingsmonat - vor allem bei den Sachsen und den Ungarn -, so werden nun in der Ortschronik der Januar und der Februar 2007 als Monate der Roma-Hochzeiten verzeichnet werden.

Ralf Sudrigian