Zweite Ideenwerkstatt zur Zukunft der deutschen Minderheit

Samstag, 29. März 2014

Teilnehmer der zweiten Ideenwerkstatt
Foto: der Verfasser

Michelsberg - Eine 17-jährige Schülerin aus Suceava und der 90-jährige Ehrenvorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien sitzen an einem Tisch und diskutieren über die Situation der deutschen Minderheit in Rumänien. Kein alltägliches Bild, aber Sinn der zweiten Ideenwerkstatt zum Planspiel: „Zukunft der Deutschen Minderheit in Rumänien“. Insgesamt 16 Interessierte haben sich am vergangenen Wochenende getroffen. Mit dabei waren Schüler, Studenten, Journalisten, Rentner und Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde. Sie alle beschäftigen sich auf unterschiedlichste Weise mit ihrer eigenen Identität, der deutschen Kultur und natürlich der deutschen Minderheit in Rumänien.

Angeleitet wurde das Seminar durch die Referenten Alexander Burka aus Wien und Holger-Michael Arndt aus Düsseldorf vom CIVIC-Institut für internationale Bildung. Beide blicken auf mehrere Jahre Planspielerfahrung mit deutschen Minderheiten in Polen und der Tschechischen Republik zurück. Um ein Planspiel für Rumänien erstellen zu können, sind die sogenannten Ideenwerkstätten notwendig. Hier werden in einem gemeinsamen Prozess mit Vertretern der deutschen Minderheit Informationen gesammelt und analysiert. Holger-Michael Arndt beschreibt die Zusammenarbeit: „Jeder Teilnehmer ist Experte für die deutsche Minderheit. Wir maßen uns nicht an zu sagen: Wir wissen wie es hier ist. Sondern wir sehen uns als Moderatoren, als Ermöglicher im Grunde, sodass die deutsche Minderheit über sich nachdenkt und dafür brauchen wir natürlich Input. Wir kommen nicht mit fertigen Lösungen, sondern wir hören zu, um zu erfahren, wie das Leben hier ist, wo liegen Probleme und wo liegen Herausforderungen.“

Das Planspiel ist eine Methode, um Probleme, Situationen und das Miteinander zu reflektieren und die Zukunft besser zu gestalten. Während in der ersten Auflage der Ideenwerkstatt (Dezember 2013) noch viel über die eigene Identität diskutiert wurde, machten sich die Teilnehmer dieses Mal an die Aufgabe, Organisationen, Institutionen und Akteure in Rumänien, die das Leben der deutschen Minderheit beeinflussen zu filtern und zu schauen in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Auf dieser Basis haben die Teilnehmer erste Skizzen für Charaktere geschaffen, die dann im eigentlichen Planspiel ihren Auftritt haben werden.

Rolf Auner ist Hermannstädter und Teilnehmer der zweiten Ideenwerkstatt in Michelsberg. Er sieht sich selbst eher als einen passiven Akteur im Rahmen des Demokratischen Forums und der evangelischen Kirche. Zur Ideenwerkstatt ist er aber trotzdem gekommen, um einen Beitrag zu leisten. Besonders reizvoll findet er, dass man die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten kann: „Man ist ja voreingenommen, ohne es zu merken. Wenn ich mich jetzt plötzlich in die Rolle eines anderen Menschen hineinversetzen muss, der auch noch völlig anderer Auffassung ist als ich, dann bin ich gezwungen zu überlegen, wie dieser Mensch denkt und das ist immer ein Gewinn.“, so der 31-Jährige.
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Seligstadt, der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen, dem Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt/Sibiu und dem CIVIC-Institut für internationale Bildung.

Auf Grundlage der Erkenntnisse aus den beiden Ideenwerkstätten soll nun ein Planspiel geschrieben werden, das eine größtmögliche Authentizität mit sich bringt und den künftigen Teilnehmern so realistisch wie möglich vorkommt. Das Planspiel ist demnach eine Simulation der Realität. Ehrenvorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Prof. Dr. Paul Philippi, sieht eine große Chance in diesem Projekt: „Diese Art der Arbeit ist ein Weg, junge Menschen in das Mitdenken der Problematik unserer Existenz einzubinden. Solche Wege sind wenige vorhanden. Mich beunruhigt, dass wir uns bisher in der Jugend nur mit Tanzgruppen beschäftigen, statt mit Gruppen, die auf Zukunft hin mitdenken und das geschieht hier.“
Die Referenten vom CIVIC-Institut stehen nun auch weiterhin in Kontakt und im Austausch mit den Teilnehmern, um das Szenario zu verfeinern und fertigzustellen. Ende Mai findet dann voraussichtlich das Planspiel statt.

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