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Lebendige
Gemeinschaft
Festvortrag von Dr. Karl Scheerer beim 18. Sachsentreffen in
Birthälm (I)
Das Thema
Das Thema „Lebendige Gemeinschaft“ hat mir bei der
Vorbereitung erhebliche Probleme bereitet, da ich mir über
meinen Auftrag nicht ganz im Klaren war. Worum handelt es sich,
wenn heute von „Lebendiger Gemeinschaft“ die Rede
sein soll? Wird von der These ausgegangen, dass es in Siebenbürgen
trotz der gewaltigen Umwälzungen der letzten 19 Jahre immer
noch eine lebendige sächsische Gemeinschaft gibt, die es
nun in ihrer Erscheinungsform zu beschreiben gilt? Oder setzt
man ein deutliches Fragezeichen dahinter in der Erkenntnis,
dass die Lebendigkeit unserer Gemeinschaft viel zu wünschen
übrig lässt? Oder setzt man ein mahnendes Ausrufezeichen
dahinter mit der Absicht, zur Revitalisierung unserer Gemeinschaft,
die einzuschlummern droht, aufzurufen? Welcher dieser drei Sichtweisen
wollen wir den Vorzug geben? Wie wir nun sicher alle wissen,
ist die menschliche Wahrnehmung subjektiv und nicht selten selektiv.
Auch die Kriterien und Merkmale, die wir mit einer lebendigen
Gemeinschaft in Verbindung bringen und die Mindestanforderungen,
die wir an sie stellen, sind subjektiv und nicht einheitlich
definiert. Übt man sich in Genügsamkeit und beschränkt
sich in seinen Erwartungen auf Weniges, dann ist die Lagebeschreibung
einer lebendigen Gemeinschaft gerechtfertigt. Stellt man jedoch
höhere Ansprüche, fällt das Urteil sehr viel
kritischer aus. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zustandsbeschreibung
unserer Gemeinschaft sehr unterschiedlich ausfällt und
alle drei oben genannten Varianten artikuliert werden.
Man hört sehr wohl Stimmen, die sehr gut funktionierende
Forumsstruktur sei ein Beleg für eine lebendige Gemeinschaft.
Die Gliederungen des Deutschen Forums sind in der Tat gut geführt
und arbeiten auch effektiv, wie auch unserer Abgeordneter uns
hervorragend vertritt. Eine funktionierende Organisation ist
jedoch noch keineswegs ein Garant für ein dynamisches und
facettenreiches Gemeinschaftsleben und genau dieses wird von
nicht wenigen vermisst. Jeder definiert also seine Erwartungen
an das Gemeinschaftsleben für sich und partizipiert daran
oder auch nicht. Ich möchte nun im Folgenden einige Gedanken
zu diesen Aspekten formulieren und eine persönliche Beurteilung
abgeben.
Erfolge und Fragen
„Was seid Ihr Sachsen doch für prächtige Kerle!
Respekt! Respekt! Was Ihr da in Hermannstadt erreicht habt,
verdient Bewunderung. Wir dachten, es gibt Euch gar nicht
mehr, und nun so was! Alle Hochachtung!“ Dieses sagte
mir neulich ein österreichischer Studienfreund, den ich
schon lange nicht mehr gesehen hatte. Natürlich habe
ich mich darüber gefreut. Und natürlich können
und sollen wir alle uns freuen, dass Persönlichkeiten
aus unseren Reihen so viel Anerkennung erfahren haben. Und
dass da eine gehörige Portion Tüchtigkeit dahinter
steckt, steht außer Frage. Lässt jedoch dieser
großartige Erfolg den Schluss zu, dass unsere Gemeinschaft
insgesamt intakt, dynamisch und wirkungsvoll ist? Ich habe
erhebliche Zweifel und möchte daher ein paar Fragezeichen
setzen.
Zu einer lebensfähigen ethnischen Gemeinschaft gehören
klar erkennbare Konturen in Sitten, Gebräuchen, ethischen
Normen und vor allem eine selbstbewusste Identität. Darüber
hinaus zeichnet sich eine vitale Gemeinschaft dadurch aus,
dass sie regional fest verwurzelt ist und aus allen Generationen
besteht, also aus Jung und Alt, sowie insbesondere eine leistungsstarke
mittlere Generation aufweist. Unserer sächsischen Gemeinschaft
fehlen jedoch in hohem Maße gerade die Leistungsträger
und der Nachwuchs.
Ein Zyniker sagte mir neulich: „Ihr seid eine amputierte
und verstümmelte Gemeinschaft. Euch sind die beweglichen
Glieder abgeschnitten worden“. Ein hartes Wort! Leider
trifft es aber die Wahrheit. Unsere Mitglieder, die im übrigen
in der Regel ihre überwiegende Verwandtschaft in Deutschland
haben und häufig pendeln, haben in der Tat ein sehr hohes
Durchschnittsalter und es wird noch steigen. Ist es angesichts
dieses Umstands verwunderlich, dass für die Gestaltung
des Gemeinschaftslebens, wie immer man es zu gestalten versucht,
hier vor Ort kaum Amtsträger, Mitarbeiter oder aktive
Helfer zu gewinnen sind?
Die Arbeit wird in aller Regel von wenigen Personen geleistet,
die wegen Überlastung häufig überfordert sind.
Hinzu kommt, dass sich die Gemeinschaft zunehmend auf die
Städte beschränkt. In sehr vielen Landgemeinden
ist das sächsische Element beinahe oder völlig erloschen.
Das ist ein sehr herber Verlust, denn gerade dort hat, wie
wir alle wissen und erlebt haben, in der Vergangenheit ein
sehr aktives Gemeinschaftsleben stattgefunden.
Das Plakat, das uns zu diesem heutigen Sachsentreffen einlädt,
spiegelt, mit Verlaub, ein euphemistisches Bild wider, denn
die heutige Realität spricht leider eine ganz andere
Sprache. Wo erleben wir noch einen geschlossenen Gottesdienstbesuch
oder Feierlichkeiten in altsächsischer Tracht und altsächsischer
Gesellungsform? Über diese Tatsache können auch
die mit erstaunlich hoher Teilnehmerzahl aus Deutschland und
aller Welt stattfindenden Heimattreffen in vereinzelten Ortschaften
nicht hinwegtäuschen. So eindrucksvoll und bewegend sie
auch sein mögen, so sind sie doch, und das sage ich provokativ,
Nostalgietreffen unserer ausgewanderten Landsleute und legen
für ein paar Tage einen schönen Schleier über
den grauen Alltag, was wir allerdings gerne mit genießen.
Nach ihrer Abreise ist jedoch alles wieder beim Alten. Ich
selbst als eine Art Rückwanderer hatte gehofft, dass
nach all den erfreulichen Veränderungen in Europa und
in unserem Land eine große Anzahl unserer ausgewanderten
Landsleute auf Zeit oder auf Dauer zurückkehren und ihre
Kompetenzen aktiv unserer Gemeinschaft zur Verfügung
stellen, und zwar nicht nur indem sie gute Ratschläge
erteilen, sondern indem sie sich bereit erklären, auch
Funktionen zu übernehmen und Verantwortung zu tragen.
Wir haben den großen Vorteil, mit beiden Milieus vertraut
zu sein und entsprechend unserem Wirken größtmögliche
Stoßkraft zu verleihen. Leider ist eine solche Rückwanderung
in erstaunlich geringem Maße geschehen. Noch erstaunlicher
ist, dass viele unserer ausgewanderten Landsleute, die den
Sommer in ihren wieder instandgesetzten Häusern in ihren
Heimatortschaften verbringen oder für längere Zeit
zu Besuch kommen, ein Eigenleben führen, auf Distanz
gehen und sich kaum aktiv am örtlichen Gemeinschaftsleben
beteiligen. Ein Schäßburger Freund sagte mir neulich:
„Die fremdeln alle, es sind keine Sachsen mehr, sie
sind zu Deutschen geworden.“ Es ist nicht meine Aufgabe,
das zu bewerten. Gelegentliche Kommentare über die Unzulänglichkeiten
unserer Arbeit und gar Fragen wie z.B. „Meinst Du nicht,
dass ja doch alles vergebliche Liebesmühe ist, denn es
geht ja eh bald alles zu Ende. Warum tut Ihr euch das noch
an?“, sind jedoch mehr als ärgerlich.
Weiteres Fragezeichen
Ein weiteres Phänomen erfordert ein Fragezeichen, das
sich allerdings nicht auf unsere sächsische Gemeinschaft
beschränkt, sondern eine gesamteuropäische Erscheinung
ist und in den letzten Jahren überraschend schnell evident
geworden ist. Die gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüche,
der unübersehbare Paradigmenwechsel, die Folgeerscheinungen
der Globalisierung und wohl auch der rasante Siegeszug der
modernen Kommunikationssysteme haben geselliges Verhalten
völlig verändert. Große Teile der jüngeren
und mittleren Generation kommunizieren per E-Mail und SMS
miteinander, unterhalten sich in Chat-Rooms. Es entwickeln
sich völlig neue Formen der Gesellung.
Der Soziologe Ullrich Beck konstatiert eine rasante Enttraditionalisierung
der Gesellschaft mit verheerenden Folgen für das gerade
in Deutschland bisher stets hochgehaltene Vereinsleben. Es
fehlt allenthalben an aktivem Nachwuchs. Wolfgang Huber, der
Ratspräsident der Evangelischen Kirchen Deutschlands,
sprach kürzlich hinsichtlich des kirchlichen Bereichs
von einem signifikanten Traditionsabbruch, was natürlich
das Gemeindeleben vor große Herausforderungen stellt.
Vereinzelung der Menschen, diffuse Orientierungslosigkeit,
Unverbindlichkeit, Beliebigkeit, Wertevakuum, Unverlässlichkeit,
Gefühl der Heimatlosigkeit sind Schlagworte, die immer
häufiger in der soziologischen Literatur diskutiert werden.
Schon längst ist die Rede von der permissiven Gesellschaft.
Sollten diese Erscheinungen, sofern sie zutreffen, angesichts
der Globalisierung und der völlig offenen Grenzen ausgerechnet
vor Siebenbürgen halt machen? Wohl kaum! Und welche Konsequenzen
werden sie für unser ohnehin sehr geschwächtes sächsische
Gemeinschaftsleben haben? Wir wissen es nicht. Noch nicht.
(Zwischentitel: ADZ)
Teil II

Fortbildung in deutscher Sprache
Grammatik im kommunikativen Deutschunterricht / Von Karina
Gheorghe
Neue Methoden, um die Grammatik im Deutschunterricht zu vermitteln,
wurden besprochen, als sich nahezu 30 Deutschlehrer aus Rumänien
bei einer Lehrerfortbildung trafen. Veranstaltungsort war
die als Pilgerstätte bekannte Ortschaft Schomlenberg/Sumuleu
Ciuc in der Nähe von Szeklerburg/Miercurea Ciuc. Das
Seminar wandte sich sowohl an junge als auch an erfahrenere
Deutschlehrer aus ganz Rumänien. Organisiert wurde die
Veranstaltung vom Goethe-Institut Bukarest, das die Kenntnis
der deutschen Sprache im Ausland fördert, die internationale
kulturelle Zusammenarbeit pflegt und ein umfassendes Deutschlandbild
durch Informationen über das kulturelle, gesellschaftliche
und politische Leben vermittelt. Unter dem Schwerpunkt Grammatikvermittlung
im kommunikativen Deutschunterricht richtete sich das Seminar
„an junge Deutschlehrende, die am Anfang ihrer Berufspraxis
stehen. Da sich im Laufe der Anmeldungsphase aber gezeigt
hat, dass auch andere großes Interesse an der Fortbildung
hatten, haben wir uns dafür entschieden, auch einige
Lehrer einzuladen, die sehr erfahren sind“, sagte Dr.
Maxine Jetschmann, die seit November 2004 die Sprachabteilung
des Goethe-Instituts Bukarest leitet.
Unter der Anleitung der erfahrenen Deutschlehrerin im Erwachsenenunterricht
Monica-Maria Aldea aus Temeswar/Timisoara setzten sich die
Seminarteilnehmer mit der Vermittlung von Grammatik im kommunikativen,
interkulturellen, aufgabenorientierten und lernzentrierten
Deutschunterricht ausei-nander und debattierten im Kreis der
Kolleginnen und Kollegen. Die Seminarassistenz übernahmen
Giorgiana Mîndruleanu (Deutsches Kulturzentrum Temeswar)
und Monika Gross (Sprachenschule ExamPlus Temeswar). Schwerpunkte
des Lehrgangs waren unter anderem die Methoden des Grammatikunterrichts,
die „Lerner-Grammatik”: Verstehens-, (Re)Konstruktions-
und Produktionsgrammatik, Interlanguage und Strategien zum
Verstehen, zur bewussten Sprachverwendung und zur Sprachproduktion,
Grammatikprogression, Grammatik-Terminologie im DaF-Unterricht
(Deutsch als Fremdsprache) und Fehlerkorrektur.
„Wir organisieren diese Seminare mit der Absicht, den
Lehrern die Möglichkeit zu bieten, sich fort- und weiterzubilden.
Es geht uns darum, den Deutschunterricht in Rumänien
und in der Republik Moldau zu fördern und den Lehrenden
die Gelegenheit zu geben, in den Sprachschulen qualitativ
guten und besseren Deutschunterricht zu erteilen”, fügte
die stellvertretende Leiterin des Goethe-Instituts Dr. Jetschmann
hinzu.
Im Gegensatz zur traditionellen Grammatik-Übersetzungs-Methode
(GÜM), ist das Hauptanliegen des kommunikativen Unterrichts,
die Informationen durch Interaktion und Kommunikation an die
Kursteilnehmer zu bringen. Obwohl die GÜM-Methode in
den Schulen immer noch sehr weit verbreitet ist, „denke
ich, dass die Lehrer, die an der Fortbildung teilgenommen
haben, nach dem Seminar so einiges an Ideen und Fertigkeiten,
wie man Grammatik vermitteln kann, für ihren Berufsalltag
mitnehmen werden”, schloss Dr. Maxine Jetschmann.
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