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Freitag, 29. 1. 2010
 

Acht rumänische Firmen auf weltgrößter Verbrauchermesse
Berliner 75. Grüne Woche für Unternehmer ein Erfolg / Von Berndt Brussig


Am Sonntag schloss die 75. Internationale Grüne Woche nach zehn turbulenten Messetagen ihre Pforten. Die weltgrößte Verbrauchermesse stand unter dem Motto „Unglaublich abwechslungsreich“. Wer sich einen Überblick über alle „Erlebniswelten“ der Messe verschaffen wollte, musste gut zu Fuß sein. 115.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche waren zu besichtigen. Über 400.000 Besucher zog diese weltgrößte Leistungsschau der Agrar- und Ernährungswirtschaft in den 26 Hallen unter dem Berliner Funkturm in ihren Bann, rund 1600 Aussteller aus 56 Ländern rund um den Erdball. In der Halle 17, im Herzen der Messe, präsentierten acht klein- und mittelständische Unternehmen aus Rumänien ihre Produkte mit guten Erfolgsaussichten.

Eine besondere Wertschätzung erfuhr der Nationalstand der acht rumänischen Unternehmen durch den Besuch des Regierenden Berliner Oberbürgermeisters Klaus Wowereit und der Landwirtschaftsministerin Ilse Eigner am Eröffnungstag der Messe am 15. Januar. Herzlich begrüßt wurden die deutschen Politiker vom rumänischen Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Mihail Dumitru, der mit Stolz auf die Tatsache verwies, dass es sich vorwiegend um kleine, in Eigeninitiative gegründete Unternehmen mit hochwertigen Produkten handele, die auf der 75. Internationalen Grünen Woche präsent sind.

Ihr Angebotsspektrum reichte von Bio-Honig von APISCOM Vaslui und handgeknetetem, delikatem Käse aus Kuhmilch von HORTICOLA INTERNATIONAL SEVIS bis hin zu natürlichen Heilmitteln wie Tinkturen und Tabletten von DACIA PLANT Alba sowie zuckerfreie Säfte von SANTO RAPHAEL Bukarest. Es fehlten auch nicht vielfach preisgekrönte Weintropfen von CRAMELE RECA[, wie „Cuvee Überland“, sowie von MURFATLAR, dem wohl bedeutendsten rumänischen Weinhersteller mit Weinen der Weltklassekollektionen, etwa „Trei Hectare“ und „Sec de Murfatlar“.

Hermannstädter Nusskuchen unter dem Funkturm

Unter dem Logo einer stilisierten Brezel mit integriertem „D“ als Anfangsbuchstabe von DOBRUN präsentierte sich die traditionsreiche Hermannstädter Bäckerei unter dem aktuellen Namen „SC Panifica]ie Dobrun SA“ ebenfalls am rumänischen Nationalstand in der Messehalle unter dem Funkturm. Tatsächlich lagen alle in dem 4-seitigen Werbeprospekt gezeigten Köstlichkeiten wie Nuss- und Mohnkuchen, Lica-Kuchen sowie Nuss-Halbmonde und Paltinis-Brezel, Eco-Kekse etc. auch in der DOBRUN-Vitrine auf dem Messestand. Trotz (seit dem Weihnachtsessen selbst verordneter) Diät wurde ich schwach und kaufte einen halben Nusskuchen für 2 Euro – und bereute es nicht: Wirklich lecker!

Ein großes Kompliment für den jungen Designer Tiberius Deac: Prospekt mit internationalem Niveau! Der Werbetext sogar in fünf Sprachen: Rumänisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch. Ob die 1878 gegründete Bäckerei früher, in den 30er und 40er Jahren, schon einmal Siebenbürger Köstlichkeiten auf der Grünen Woche unter dem Funkturm präsentierte, konnte Tiberius Deac freilich nicht wissen. Dem Thema kann man weiter nachgehen...

Rumänische Jungunternehmer mit Erfolgsstory

Erfreulich war der Anteil von Jungunternehmern aus Rumänien auf der Grünen Woche. Markantes Beispiel ist die Bukaresterin Diana Sonia Stanciulov, studierte Juristin. Gemeinsam mit ihrer Mutter hob sie 1993 das Unternehmen SONIMPEX mit 100-prozentiger rumänischer Finanzierung aus der Taufe. Vor neun Jahren kauften sie in Topoloveni eine alte Anlage zur Produktion von Pflaumenmus, um sie dann aufwendig zu modernisierten. Die so erreichte Produktionssteigerung in Verbindung mit ökologischen Technologien ermöglichte ab 2008 den Export von zig Fässern Naturpflaumenmus nach Österreich und Deutschland.

Die Technologie von SONIMPEX zur Herstellung von Pflaumenmus ohne Zucker und Null Konservierungsstoffen basiert auf einer traditionellen rumänischen Methode, wie sie seit 1914 in der Umgebung von Topoloveni bekannt ist. Es ist ein absolut natürliches Produkt, das aus vier verschiedenen vollreifen Pflaumensorten hergestellt wird. Das „Naturpflaumenmus Topoloveni / Magiun natural de prune Topoloveni“ ist eine feine, homogene Paste für Schleckermäuler aller Altersgruppen. Auch Übergewichtige und Diabetiker dürfen sich diesem Genuss ohne Gewissensbisse hingeben.

Diana Sonia Stanciulov: „Bei der Grünen Woche konnte ich neue Kontakte knüpfen und Weichen für die Zukunft stellen. Im nächsten Jahr bin ich wieder mit dabei. Bis dahin wird die Brüssler EU-Behörde unser Anbaugebiet als Öko-Schutzgebiet zertifizieren Auf der Grünen Woche 2011 wird ein neues Produkt von SONIMPEX in Berlin Premiere haben: Natur-pflaumenkonfitüre ohne Zucker oder Konservierungsstoffe“.

Fazit und Ausblick

Die 75. Internationale Grüne Woche war wieder ein großer Erfolg. Der 30-millionste Besucher in der Geschichte der Grünen Woche wurde begrüßt. Zum Geburtstag hatte die Berliner Bäckerinnung eine 60 kg schwere Torte kreiert – allein das Marzipan wog 20 kg. Der Name „Grüne Woche“ rührt daher, dass Berliner Journalisten diesen Spitznamen erfanden, weil zahlreiche Besucher vom Lande mit grünen Lodenmänteln auf dieser ursprünglich lokalen Warenmesse aufkreuzten. Unterdessen hat sich diese längst zur weltweit bekanntesten Verbrauchermesse entwickelt, allein 2010 mit über 400.000 Besuchern, davon 100.000 Fachbesucher. Partnerland der gerade beendeten Grünen Woche 2010 war Ungarn, das seit 1972 an der Messe teilnimmt.

Blickfangwerbung für Rumänien gab es geschickt positioniert direkt vor dem Haupteingang zu den Messehallen mit zwei großen Leuchttafeln „ROMANIA: Your reliable Trade Partner; Halle 17“. Der rumänische Nationalstand war gut in die Leitlinie der Grünen Woche, Bio-Produkte und Ökologischer Landbau, integriert. Sowohl die Produkte der acht rumänischen Unternehmen selbst als auch deren Werbung mit Bio-Logos von „BIO-ROMANIA“ entsprachen dem Anliegen der Messe. Die Aussteller schätzen die Ergebnisse als Erfolg ein, wobei natürlich nach der Messe noch eine Menge Arbeit auf sie wartet – auch in Vorbereitung ihrer Teilnahme an der Grünen Woche vom 21. bis 30. Januar 2011. „EURO COMMUNICATIONS BERLIN ECB“ (Email: ecb-new@gmx.de) bietet hilfreiche Fachberatung an.



Jugendliche treffen Kommunalpolitiker
Temeswarer Vizebürgermeister: Die Mentalität steht den Rumänen im Weg
Von Olivian Ieremiciu


„Es besteht eine schlechte Kommunikation zwischen dem Stadtrat, beziehungsweise Bürgermeisteramt und den Jugendlichen“. „Wie werden wir beschützt, wenn wir von der Schule nach Hause gehen?“. „Warum bekommen wir keine Unterstützung für unsere Projekte?“. Diese und weitere Fragen wurden von Jugendlichen aus 15 Temeswarer Lyzeen an Adrian Orza, Vizebürgermeister der Stadt Temeswar, gestellt.

In seiner gewohnt phlegmatisch-konzilianten Art versuchte dieser den jungen Temeswarern zu erklären, wieso die Sachen in Rumänien und in Temeswar nicht besonders gut ablaufen. „Es ist ein Mentalitätsproblem, daran müssen wir arbeiten“, so Orza. Bei dieser Aussage kann man ihm grundsätzlich kaum widersprechen. Dass Orza jedoch so ziemlich alle Probleme der Stadt auf „Mentalitätsprobleme“ zurückführt, veranlasste einen Jugendlichen zu der Frage: „Und was machen Sie, um dies zu ändern?“

Um seine Zivilcourage als einfacher Bürger unter Beweis zu stellen, erzählte Orza, was ihm vor einiger Zeit widerfahren ist. „Ein junger Kerl, ein Schlauberger, ging mit seiner Freundin auf der Straße und warf eine Plastikflasche einfach auf den Boden. Eine Dame machte ihn darauf aufmerksam, er solle sie doch bitte in die Tonne werfen. Die Antwort des jungen Mannes: ‘Ich hab keinen Bock´. Daraufhin packte ich ihn und zwang ihn, die Flasche in die Mülltonne zu werfen. Wenn ich nicht Vizebürgermeister wäre, hätte ich ihm vielleicht sogar eine gelangt“, so Orza. Ob Schlagen auch eine Methode zur Mentalitätsänderung ist, darauf ging Orza nicht weiter ein.

Wo Orza recht hat – da hat er recht. „Es ist absurd, Gemeindepolizisten in Parks zu stellen, die die Bäume bewachen“, so der Vize. Wieso es trotzdem dazu kommt? Kaum wird ein Park in Temeswar neu eröffnet, schon finden sich einige Randalierer, die die Bänke zerstören oder sonstige Schäden anrichten. Und da die Gemeindepolizisten Bäume bewachen müssen, fehlen sie auf den Straßen. „Wie garantieren Sie mir die Sicherheit auf dem Weg von der Schule nach Hause?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Auf diese Frage gab es keine klare Antwort. Was jedoch feststeht, ist die Tatsache, dass es nicht genügend Gemeindepolizisten gibt. So jedenfalls Orza. Und in nächster Zukunft werden es noch weniger sein, da Stellen abgebaut werden müssen.

Ein Beispiel dafür, wie der Stadtrat in Sachen Mentalitätsänderung vorgeht und welche Maßnahmen in dieser Hinsicht getroffen werden, gibt der Vizebürgermeister mit den Plakaten, die an einigen Straßenecken angebracht wurden: „Gebt den Bettlern kein Geld an Straßenkreuzungen“. „Die Formulierung des Textes, mit der Spezifizierung „an Straßenkreuzungen“, ist nicht unbedingt die treffendste. Es geht aber auch so“, meint Orza. „Ich warte auf Projekte für Mentalitätsänderung“. Was genau Orza damit meint, bleibt (zumindest dem Verfasser) ein Rätsel.