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Acht
rumänische Firmen auf weltgrößter Verbrauchermesse
Berliner 75. Grüne Woche für Unternehmer ein Erfolg
/ Von Berndt Brussig
Am Sonntag schloss die 75. Internationale Grüne
Woche nach zehn turbulenten Messetagen ihre Pforten. Die weltgrößte
Verbrauchermesse stand unter dem Motto „Unglaublich
abwechslungsreich“. Wer sich einen Überblick über
alle „Erlebniswelten“ der Messe verschaffen wollte,
musste gut zu Fuß sein. 115.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche
waren zu besichtigen. Über 400.000 Besucher zog diese
weltgrößte Leistungsschau der Agrar- und Ernährungswirtschaft
in den 26 Hallen unter dem Berliner Funkturm in ihren Bann,
rund 1600 Aussteller aus 56 Ländern rund um den Erdball.
In der Halle 17, im Herzen der Messe, präsentierten acht
klein- und mittelständische Unternehmen aus Rumänien
ihre Produkte mit guten Erfolgsaussichten.
Eine besondere Wertschätzung erfuhr der Nationalstand
der acht rumänischen Unternehmen durch den Besuch des
Regierenden Berliner Oberbürgermeisters Klaus Wowereit
und der Landwirtschaftsministerin Ilse Eigner am Eröffnungstag
der Messe am 15. Januar. Herzlich begrüßt wurden
die deutschen Politiker vom rumänischen Minister für
Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Mihail Dumitru,
der mit Stolz auf die Tatsache verwies, dass es sich vorwiegend
um kleine, in Eigeninitiative gegründete Unternehmen
mit hochwertigen Produkten handele, die auf der 75. Internationalen
Grünen Woche präsent sind.
Ihr Angebotsspektrum reichte von Bio-Honig von APISCOM Vaslui
und handgeknetetem, delikatem Käse aus Kuhmilch von HORTICOLA
INTERNATIONAL SEVIS bis hin zu natürlichen Heilmitteln
wie Tinkturen und Tabletten von DACIA PLANT Alba sowie zuckerfreie
Säfte von SANTO RAPHAEL Bukarest. Es fehlten auch nicht
vielfach preisgekrönte Weintropfen von CRAMELE RECA[,
wie „Cuvee Überland“, sowie von MURFATLAR,
dem wohl bedeutendsten rumänischen Weinhersteller mit
Weinen der Weltklassekollektionen, etwa „Trei Hectare“
und „Sec de Murfatlar“.
Hermannstädter Nusskuchen unter dem Funkturm
Unter dem Logo einer stilisierten Brezel mit integriertem
„D“ als Anfangsbuchstabe von DOBRUN präsentierte
sich die traditionsreiche Hermannstädter Bäckerei
unter dem aktuellen Namen „SC Panifica]ie Dobrun SA“
ebenfalls am rumänischen Nationalstand in der Messehalle
unter dem Funkturm. Tatsächlich lagen alle in dem 4-seitigen
Werbeprospekt gezeigten Köstlichkeiten wie Nuss- und
Mohnkuchen, Lica-Kuchen sowie Nuss-Halbmonde und Paltinis-Brezel,
Eco-Kekse etc. auch in der DOBRUN-Vitrine auf dem Messestand.
Trotz (seit dem Weihnachtsessen selbst verordneter) Diät
wurde ich schwach und kaufte einen halben Nusskuchen für
2 Euro – und bereute es nicht: Wirklich lecker!
Ein großes Kompliment für den jungen Designer Tiberius
Deac: Prospekt mit internationalem Niveau! Der Werbetext sogar
in fünf Sprachen: Rumänisch, Deutsch, Englisch,
Französisch, Spanisch. Ob die 1878 gegründete Bäckerei
früher, in den 30er und 40er Jahren, schon einmal Siebenbürger
Köstlichkeiten auf der Grünen Woche unter dem Funkturm
präsentierte, konnte Tiberius Deac freilich nicht wissen.
Dem Thema kann man weiter nachgehen...
Rumänische Jungunternehmer mit Erfolgsstory
Erfreulich war der Anteil von Jungunternehmern aus Rumänien
auf der Grünen Woche. Markantes Beispiel ist die Bukaresterin
Diana Sonia Stanciulov, studierte Juristin. Gemeinsam mit
ihrer Mutter hob sie 1993 das Unternehmen SONIMPEX mit 100-prozentiger
rumänischer Finanzierung aus der Taufe. Vor neun Jahren
kauften sie in Topoloveni eine alte Anlage zur Produktion
von Pflaumenmus, um sie dann aufwendig zu modernisierten.
Die so erreichte Produktionssteigerung in Verbindung mit ökologischen
Technologien ermöglichte ab 2008 den Export von zig Fässern
Naturpflaumenmus nach Österreich und Deutschland.
Die Technologie von SONIMPEX zur Herstellung von Pflaumenmus
ohne Zucker und Null Konservierungsstoffen basiert auf einer
traditionellen rumänischen Methode, wie sie seit 1914
in der Umgebung von Topoloveni bekannt ist. Es ist ein absolut
natürliches Produkt, das aus vier verschiedenen vollreifen
Pflaumensorten hergestellt wird. Das „Naturpflaumenmus
Topoloveni / Magiun natural de prune Topoloveni“ ist
eine feine, homogene Paste für Schleckermäuler aller
Altersgruppen. Auch Übergewichtige und Diabetiker dürfen
sich diesem Genuss ohne Gewissensbisse hingeben.
Diana Sonia Stanciulov: „Bei der Grünen Woche konnte
ich neue Kontakte knüpfen und Weichen für die Zukunft
stellen. Im nächsten Jahr bin ich wieder mit dabei. Bis
dahin wird die Brüssler EU-Behörde unser Anbaugebiet
als Öko-Schutzgebiet zertifizieren Auf der Grünen
Woche 2011 wird ein neues Produkt von SONIMPEX in Berlin Premiere
haben: Natur-pflaumenkonfitüre ohne Zucker oder Konservierungsstoffe“.
Fazit und Ausblick
Die 75. Internationale Grüne Woche war wieder ein großer
Erfolg. Der 30-millionste Besucher in der Geschichte der Grünen
Woche wurde begrüßt. Zum Geburtstag hatte die Berliner
Bäckerinnung eine 60 kg schwere Torte kreiert –
allein das Marzipan wog 20 kg. Der Name „Grüne
Woche“ rührt daher, dass Berliner Journalisten
diesen Spitznamen erfanden, weil zahlreiche Besucher vom Lande
mit grünen Lodenmänteln auf dieser ursprünglich
lokalen Warenmesse aufkreuzten. Unterdessen hat sich diese
längst zur weltweit bekanntesten Verbrauchermesse entwickelt,
allein 2010 mit über 400.000 Besuchern, davon 100.000
Fachbesucher. Partnerland der gerade beendeten Grünen
Woche 2010 war Ungarn, das seit 1972 an der Messe teilnimmt.
Blickfangwerbung für Rumänien gab es geschickt positioniert
direkt vor dem Haupteingang zu den Messehallen mit zwei großen
Leuchttafeln „ROMANIA: Your reliable Trade Partner;
Halle 17“. Der rumänische Nationalstand war gut
in die Leitlinie der Grünen Woche, Bio-Produkte und Ökologischer
Landbau, integriert. Sowohl die Produkte der acht rumänischen
Unternehmen selbst als auch deren Werbung mit Bio-Logos von
„BIO-ROMANIA“ entsprachen dem Anliegen der Messe.
Die Aussteller schätzen die Ergebnisse als Erfolg ein,
wobei natürlich nach der Messe noch eine Menge Arbeit
auf sie wartet – auch in Vorbereitung ihrer Teilnahme
an der Grünen Woche vom 21. bis 30. Januar 2011. „EURO
COMMUNICATIONS BERLIN ECB“ (Email: ecb-new@gmx.de)
bietet hilfreiche Fachberatung an.

Jugendliche
treffen Kommunalpolitiker
Temeswarer Vizebürgermeister: Die Mentalität steht
den Rumänen im Weg
Von Olivian Ieremiciu
„Es besteht eine schlechte Kommunikation zwischen dem
Stadtrat, beziehungsweise Bürgermeisteramt und den Jugendlichen“.
„Wie werden wir beschützt, wenn wir von der Schule
nach Hause gehen?“. „Warum bekommen wir keine
Unterstützung für unsere Projekte?“. Diese
und weitere Fragen wurden von Jugendlichen aus 15 Temeswarer
Lyzeen an Adrian Orza, Vizebürgermeister der Stadt Temeswar,
gestellt.
In seiner gewohnt phlegmatisch-konzilianten Art versuchte
dieser den jungen Temeswarern zu erklären, wieso die
Sachen in Rumänien und in Temeswar nicht besonders gut
ablaufen. „Es ist ein Mentalitätsproblem, daran
müssen wir arbeiten“, so Orza. Bei dieser Aussage
kann man ihm grundsätzlich kaum widersprechen. Dass Orza
jedoch so ziemlich alle Probleme der Stadt auf „Mentalitätsprobleme“
zurückführt, veranlasste einen Jugendlichen zu der
Frage: „Und was machen Sie, um dies zu ändern?“
Um seine Zivilcourage als einfacher Bürger unter Beweis
zu stellen, erzählte Orza, was ihm vor einiger Zeit widerfahren
ist. „Ein junger Kerl, ein Schlauberger, ging mit seiner
Freundin auf der Straße und warf eine Plastikflasche
einfach auf den Boden. Eine Dame machte ihn darauf aufmerksam,
er solle sie doch bitte in die Tonne werfen. Die Antwort des
jungen Mannes: ‘Ich hab keinen Bock´. Daraufhin
packte ich ihn und zwang ihn, die Flasche in die Mülltonne
zu werfen. Wenn ich nicht Vizebürgermeister wäre,
hätte ich ihm vielleicht sogar eine gelangt“, so
Orza. Ob Schlagen auch eine Methode zur Mentalitätsänderung
ist, darauf ging Orza nicht weiter ein.
Wo Orza recht hat – da hat er recht. „Es ist absurd,
Gemeindepolizisten in Parks zu stellen, die die Bäume
bewachen“, so der Vize. Wieso es trotzdem dazu kommt?
Kaum wird ein Park in Temeswar neu eröffnet, schon finden
sich einige Randalierer, die die Bänke zerstören
oder sonstige Schäden anrichten. Und da die Gemeindepolizisten
Bäume bewachen müssen, fehlen sie auf den Straßen.
„Wie garantieren Sie mir die Sicherheit auf dem Weg
von der Schule nach Hause?“, lautete eine Frage aus
dem Publikum. Auf diese Frage gab es keine klare Antwort.
Was jedoch feststeht, ist die Tatsache, dass es nicht genügend
Gemeindepolizisten gibt. So jedenfalls Orza. Und in nächster
Zukunft werden es noch weniger sein, da Stellen abgebaut werden
müssen.
Ein Beispiel dafür, wie der Stadtrat in Sachen Mentalitätsänderung
vorgeht und welche Maßnahmen in dieser Hinsicht getroffen
werden, gibt der Vizebürgermeister mit den Plakaten,
die an einigen Straßenecken angebracht wurden: „Gebt
den Bettlern kein Geld an Straßenkreuzungen“.
„Die Formulierung des Textes, mit der Spezifizierung
„an Straßenkreuzungen“, ist nicht unbedingt
die treffendste. Es geht aber auch so“, meint Orza.
„Ich warte auf Projekte für Mentalitätsänderung“.
Was genau Orza damit meint, bleibt (zumindest dem Verfasser)
ein Rätsel.
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