| |
Zahlreiche
Wallfahrten nach Maria-Radna
Die römisch-katholische Diözese in Temeswar zieht
Bilanz / Von Raluca Nelepcu
Zahlreiche Ereignisse sollen auch in diesem Jahr
den christlichen Glauben fördern: Die römisch-katholische
Diözese in Temeswar/Timisoara organisierte am 30. Januar
eine Wallfahrt der Priester und Ordensleute zum Dom. Es folgt
das Nationale Priestertreffen am 15. – 18. März
und ein Diözesanjugendtreffen am 14. – 16. Mai
in Temeswar. Bedeutende Ereignisse stehen auch im Sommer für
die römisch-katholischen Gemeinschaften im Banat an.
Am 22. Mai ist eine Wallfahrt des Erzdekanates des Banater
Berglands nach Maria-Radna geplant. Am 26. Juli fahren die
Mitglieder des Temescher Erzdekanats zur Wallfahrtskirche
nach Radna. Am 24. September ist eine Diözesanwallfahrt
nach Tschanad/Cenad programmiert. Im Herbst stehen zwei weitere
Pilgerfahrten an: Am 2. Oktober fahren die Priester und Ordensleute
und am 9. Oktober das Maroscher Erzdekanat nach Maria-Radna.
Aus dem Jahresbericht der römisch-katholischen Diözese
Temeswar geht hervor, dass die Gemeinschaft aus über
80.000 Gläubigen besteht. „Diese Zahl ist mit Abstand
geringer als die der letzten Volkszählung“, sagt
Generalvikar Zsolt Szilvágyi. 2002 gab es über
140.000 römisch-katholische Gläubige in der Diözese.
Nach Nationalitäten setzt sich die Zahl der Gläubigen
aus über 40.000 Ungarn, etwa 8600 Deutsche, 14.000 Rumänen,
fast 6000 Kroaten, 3700 Bulgaren, 2300 Tschechen, knapp 2000
Slowaken, 2500 Roma und der Rest andere Nationalitäten
zusammen. In der Diözese sind – samt den Mitbrüdern
im Ruhestand – 89 Priester tätig, davon fünf
Ordenspriester. 14 Männer bereiten sich zurzeit auf das
Priesteramt vor: Elf studieren in Karlsburg/Alba-Iulia, zwei
in Fulda, Deutschland, und einer in Rom.
Die bedeutendsten zwei Ereignisse des Jahres 2009 waren die
Weihe des Generalvikars László Böcskei
zum Bischof von Großwardein/Oradea und der Besuch des
Kardinals Puljic, Erzbischof von Sarajewo, in der Temeswarer
Diözese. Zu den Veranstaltungen, die das vergangene Jahr
prägten, gehören die Exerzitien in deutscher, kroatischer,
ungarischer und rumänischer Sprache, an denen sich Priester
der Diözese Temeswar beteiligten. 50 Geistliche waren
2009 bei diesen Exerzitien dabei.
Zum zweiten Mal wurden Kurse für Präoratoren organisiert,
an denen 70 Laien teilnahmen. 46 dieser Mitarbeiter erhielten
Ende Oktober die Erlaubnis, als Vorbeter in römisch-katholischen
Pfarreien tätig zu sein.
Auch die römisch-katholische Jugend durfte sich im vergangenen
Jahr an zahlreichen Jugendveranstaltungen erfreuen. Gleich
55 Jugendtreffen fanden statt – über 4000 Jugendliche
waren bei den Ereignissen dabei. Was die katholische Erziehung
der Kinder und Jugendlichen angeht, gibt es in Temeswar das
Gerhardinum-Lyzeum. Die katholische Schule besuchen derzeit
127 Schülerinnen und Schüler. Katholische Erziehung
wird auch in den Kindergärten der Notre-Dame-Schwestern
in Temeswar und der Franziskanerinnen in Karansebesch/Caransebes
angeboten. Im vergangenen Jahr wurde zum ersten Mal in der
Temewarer Diözese ein Schulwettbewerb im Fach Religion
gehalten. Das Gerhardinum-Lyzeum im Stadtzentrum von Temeswar
beherbergte den Schülerwettbewerb, an dem sich über
90 Schüler der Klassen VII – XII beteiligten.
Die Finanzkrise hat auch die römisch-katholische Kirche
nicht umgangen. Trotzdem konnten einige Teil- bzw. Gesamtrenovierungen
an Kirchen im Banat durchgeführt werden. Zu den größeren
Investitionen zählen die Außenrenovierung der Kirche
in Medwesch, die Teilerneuerung des Daches und die Auswechslung
der elektrischen Leitungen in der katholischen Kirche der
Temeswarer Fabrikstadt sowie die komplette Renovierung der
Kirche in der Temeswarer Josefstadt. Für die Renovierungsarbeiten
wurde ein Großteil der Kosten vom Bischöflichen
Ordinariat gedeckt, aber auch die lokalen Pfarrgemeinden und
Behörden unterstützten die Umsetzung der Sanierungsprojekte.
Auch vom Ministerium für Kultur und Glaubensgemeinschaften
in Bukarest kamen Gelder für Sanierungsprojekte.
„Tara Bârsei”:
Die Druckfassung ist in Gefahr
Das Jahrbuch des Museums „Casa Muresenilor” hat
eine eigene Webseite
Von Ralf Sudrigian
Die Geldmittel, die für den Kulturbereich gedacht sind,
werden im Kreis Kronstadt/Brasov knapp bemessen. Das merkt
man auch daran, dass das Erscheinen der Kronstädter Wochenschrift
„Astra“ vorläufig eingestellt wurde. Ihr
Herausgeber, der Kronstädter Kreisrat, hält aber
vorläufig noch fest an einer anderen, älteren Kulturpublikation:
„Tara Bârsei”.
Sie ist eigentlich das Jahrbuch des Kronstädter Museums
„Casa Muresenilor” (Marktplatz 25) und wird von
einem Redaktionsteam erstellt, dem Museumsdirektor Valer Rus
vorsteht. Im Museum wurde vorige Woche die jüngste Ausgabe
des Jahrbuchs vorgestellt. Auf dem Klavier, schön aufgereiht,
waren die acht Auflagen zu sehen, die ab 2002 als „neue
Reihe“ dieses Jahrbuchs erschienen sind. Valer Rus sprach
über ein „sehr schwieriges Jahr“ für
das Museum und sein Jahrbuch. Die Herausgabe des Jahrbuches
hänge direkt davon ab, ob der Kreisrat als Herausgeber
die dafür notwendigen Geldmittel im Haushalt vorsehen
wird.
Die Kontinuität der Jahrbuchreihe ist also in Frage gestellt.
Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Falls nicht in gedruckter
Form, so wird „Tara Bârsei” weiterhin im
Internet abrufbar sein. Bereits jetzt verzeichnet die eigens
dafür eingerichtete Webseite (www.tara-barsei.ro)
Besucherzahlen, die sich sehen lassen können. Im Vorjahr,
so Valer Rus, waren es 16.000 einmalige Besucher – ein
guter Beweis, dass es eine Nachfrage für dieses Kulturprodukt
gebe. Der junge Museumsdirektor ist sich sicher: „Unsere
Publikation wird weiter bestehen, so lange es Leute gibt,
die uns Beiträge liefern.“ Sicher wäre es
schade, wenn das Jahrbuch nur virtuell im Internet vorliege
und nicht, als Druckprodukt, in Bibliotheken und als Quellenangabe
in Bibliografien. Mit diesem Jahrbuch kann man sich, vor allem
seitdem es auch kurze Zusammenfassungen in den Weltsprachen
gibt, international vorstellen und in einen Austausch mit
ähnlichen Publikationsreihen treten.
Die Nummer 8 des Jahrbuchs bringt Mitteilungen und Beiträge,
die bei den wissenschaftlichen Tagungen im Museum „Casa
Muresenilor“ in den Bereichen Geografie („Hundert
Jahre seit der Geburt von Akademiemitglied Victor Tufescu“),
Geschichte („Unterricht und Bildung im 19. und 20. Jahrhundert“)
und Musikgeschichte vorgestellt wurden. Diesmal nicht so gut
vertreten sind Themen, die in Verbindung zur Kunst, Literatur
und Volkskunde stehen. Das soll bereits nächstes Jahr
nicht mehr so sein – mit einer Ausnahme: Was die Literatur
betrifft, so wünschen sich die Kronstädter Schriftsteller
mehr Freiheit, sie wollen nicht zu Themen schreiben, die ihnen
vorgegeben werden.
„Tara Bârsei” erschien erstmals 1929 und
galt bis 1938 (als in der ersten Folge die letzte Nummer erschien)
als eine Kulturpublikation von regionaler Bedeutung. Heute,
so Rus, handelt es sich um ein Jahrbuch, das sich aber nicht
nur an den engen Kreis der Forscher wenden will. Wohl deshalb
wird auch der Untertitel „Revistã de culturã”
beibehalten.
Unter den 45 Autoren des neuesten Jahrbuchs sind auch Gernot
Nussbächer („Michael Teutsch – der Verfasser
des ersten Kronstädter Lehrbuchs der rumänischen
Sprache“) und Steffen Schlandt („Martin Schneider,
ein Kantor der Schwarzen Kirche im 18. Jahrhundert“)
vertreten. Sämtliche Beiträge samt Bildmaterial
sind von der Webseite des Jahrbuches abrufbar. Das Jahrbuch
selbst wird beim Museum zum Preis von 36 Lei verkauft.

Schöne neue Handywelt
Von Benjamin Józsa
Heute Morgen waren wieder einmal drei Jahre vergangen. Diesen
vergangenen Zeitraum kann ich so gut bestimmen, weil wieder
einmal ein Handy – mein Handy – mausetot war und
sich auch durch fortgesetzte Mund-zu-Batterie-Beatmung nicht
veranlassen ließ, einen einzigen Piep von sich zu geben.
Mit schwarzen Gedanken in der Seele machte ich mich auf zum
nächsten Handyladen. Auf dem Weg malte ich mir aus, wie
John Motorman, Takeshi Sonyoto und Olof Nokström sich
mit in das Gesicht gezogenen Hüten in dem Separée
eines sündhaft teuren Restaurants trafen und also miteinander
sprachen: Ab heute soll kein Mobiltelefon länger als
drei Jahre halten. Die Dinger müssen möglichst schnell
unbrauchbar werden, damit sich die User ein neues kaufen müssen.
Haltbarkeit ist der Tod, unserer – und sie lachten diabolisch.
Im Laden für Mobiltelefone breitete ein hübsches
junges Ding eine Handvoll Handys, der Marke ein-obere-Mittelklasse-Monatslohn-zum-Teufel
aus, während ich an die schöne alte Zeit dachte,
in der ein Fernsprecher ein Leben lang hielt, auch wenn man
mit diesem einem halben Dutzend Einbrechern den Schädel
einschlug oder ihn nach einer misslungenen Transaktion einfach
gegen die Wand pfefferte – die alten Schwarzweißstreifen
sind voll solcher Szenen. Die Erben so eines Geräts mussten
Dyamit nehmen, um es endlich loszuwerden.
Zugegeben, die neuen Handys können eine Menge. Man kann
von ihnen E-Mails verschicken, ins Internet gehen, Dokumente
öffnen und bearbeiten, ob doc, xls oder pdf war dem Handy
schnurzegal. Man kann Radio hören und fotografieren damit,
Gewichte und Rauminhalte umrechnen, selbst die Weltzeit kostet
es nur ein müdes Lächeln. Sogar Handschriften können
die Dinger erkennen und in SMS umwandeln. Es war allerhand.
Nun gehöre ich zu den Kunden, die von den Mobilfunkverkäufern
mehr gefürchtet werden als schwarze Katzen mit einer
tätowierten 13 auf dem Allerwertesten. Ich will nicht
mailen vom Handy – schon vom Computer aus ist es zu
viel, manchen Zeitgenossen Beachtung zu schenken. Ich kann
es mir verkneifen, im Internet nachzusehen, ob ich gerade
friere, und außerdem habe ich auch kein Konto auf Facebook,
das stündlich mit neuen Bildern meines ach so wichtigen
und einzigartigen Lebens gefüllt werden muss.
So entschied ich mich nach kurzem Nachdenken für ein
– Stirnrunzeln der Verkäuferin – billigeres
Modell, das weder W-Lan sein eigen nennt, noch Excel-Tabellen
bearbeiten kann, damit ich meine Ausgaben für Brot und
Milch fein säuberlich druckfertig katalogisieren kann.
Das Objekt meiner Begierde hat einen Touchscreen – soviel
Luxus muss sein, virtuelle Tastatur, virtuelles Ziffernblatt,
virtuelle Analog-Uhr und wahrscheinlich tief im inneren virtuelle
Sorgen. Das Handy kann schreiben, rechnen, fotografieren und
vibrieren. Und wenn ich es drauf ankommen lasse, kann ich
damit sogar telefonieren. Die nächsten drei Jahre wenigstens...
|