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Mittwoch, 3. 2. 2010
 

Zahlreiche Wallfahrten nach Maria-Radna
Die römisch-katholische Diözese in Temeswar zieht Bilanz / Von Raluca Nelepcu


Zahlreiche Ereignisse sollen auch in diesem Jahr den christlichen Glauben fördern: Die römisch-katholische Diözese in Temeswar/Timisoara organisierte am 30. Januar eine Wallfahrt der Priester und Ordensleute zum Dom. Es folgt das Nationale Priestertreffen am 15. – 18. März und ein Diözesanjugendtreffen am 14. – 16. Mai in Temeswar. Bedeutende Ereignisse stehen auch im Sommer für die römisch-katholischen Gemeinschaften im Banat an. Am 22. Mai ist eine Wallfahrt des Erzdekanates des Banater Berglands nach Maria-Radna geplant. Am 26. Juli fahren die Mitglieder des Temescher Erzdekanats zur Wallfahrtskirche nach Radna. Am 24. September ist eine Diözesanwallfahrt nach Tschanad/Cenad programmiert. Im Herbst stehen zwei weitere Pilgerfahrten an: Am 2. Oktober fahren die Priester und Ordensleute und am 9. Oktober das Maroscher Erzdekanat nach Maria-Radna.

Aus dem Jahresbericht der römisch-katholischen Diözese Temeswar geht hervor, dass die Gemeinschaft aus über 80.000 Gläubigen besteht. „Diese Zahl ist mit Abstand geringer als die der letzten Volkszählung“, sagt Generalvikar Zsolt Szilvágyi. 2002 gab es über 140.000 römisch-katholische Gläubige in der Diözese. Nach Nationalitäten setzt sich die Zahl der Gläubigen aus über 40.000 Ungarn, etwa 8600 Deutsche, 14.000 Rumänen, fast 6000 Kroaten, 3700 Bulgaren, 2300 Tschechen, knapp 2000 Slowaken, 2500 Roma und der Rest andere Nationalitäten zusammen. In der Diözese sind – samt den Mitbrüdern im Ruhestand – 89 Priester tätig, davon fünf Ordenspriester. 14 Männer bereiten sich zurzeit auf das Priesteramt vor: Elf studieren in Karlsburg/Alba-Iulia, zwei in Fulda, Deutschland, und einer in Rom.

Die bedeutendsten zwei Ereignisse des Jahres 2009 waren die Weihe des Generalvikars László Böcskei zum Bischof von Großwardein/Oradea und der Besuch des Kardinals Puljic, Erzbischof von Sarajewo, in der Temeswarer Diözese. Zu den Veranstaltungen, die das vergangene Jahr prägten, gehören die Exerzitien in deutscher, kroatischer, ungarischer und rumänischer Sprache, an denen sich Priester der Diözese Temeswar beteiligten. 50 Geistliche waren 2009 bei diesen Exerzitien dabei.

Zum zweiten Mal wurden Kurse für Präoratoren organisiert, an denen 70 Laien teilnahmen. 46 dieser Mitarbeiter erhielten Ende Oktober die Erlaubnis, als Vorbeter in römisch-katholischen Pfarreien tätig zu sein.

Auch die römisch-katholische Jugend durfte sich im vergangenen Jahr an zahlreichen Jugendveranstaltungen erfreuen. Gleich 55 Jugendtreffen fanden statt – über 4000 Jugendliche waren bei den Ereignissen dabei. Was die katholische Erziehung der Kinder und Jugendlichen angeht, gibt es in Temeswar das Gerhardinum-Lyzeum. Die katholische Schule besuchen derzeit 127 Schülerinnen und Schüler. Katholische Erziehung wird auch in den Kindergärten der Notre-Dame-Schwestern in Temeswar und der Franziskanerinnen in Karansebesch/Caransebes angeboten. Im vergangenen Jahr wurde zum ersten Mal in der Temewarer Diözese ein Schulwettbewerb im Fach Religion gehalten. Das Gerhardinum-Lyzeum im Stadtzentrum von Temeswar beherbergte den Schülerwettbewerb, an dem sich über 90 Schüler der Klassen VII – XII beteiligten.

Die Finanzkrise hat auch die römisch-katholische Kirche nicht umgangen. Trotzdem konnten einige Teil- bzw. Gesamtrenovierungen an Kirchen im Banat durchgeführt werden. Zu den größeren Investitionen zählen die Außenrenovierung der Kirche in Medwesch, die Teilerneuerung des Daches und die Auswechslung der elektrischen Leitungen in der katholischen Kirche der Temeswarer Fabrikstadt sowie die komplette Renovierung der Kirche in der Temeswarer Josefstadt. Für die Renovierungsarbeiten wurde ein Großteil der Kosten vom Bischöflichen Ordinariat gedeckt, aber auch die lokalen Pfarrgemeinden und Behörden unterstützten die Umsetzung der Sanierungsprojekte. Auch vom Ministerium für Kultur und Glaubensgemeinschaften in Bukarest kamen Gelder für Sanierungsprojekte.



„Tara Bârsei”: Die Druckfassung ist in Gefahr
Das Jahrbuch des Museums „Casa Muresenilor” hat eine eigene Webseite
Von Ralf Sudrigian


Die Geldmittel, die für den Kulturbereich gedacht sind, werden im Kreis Kronstadt/Brasov knapp bemessen. Das merkt man auch daran, dass das Erscheinen der Kronstädter Wochenschrift „Astra“ vorläufig eingestellt wurde. Ihr Herausgeber, der Kronstädter Kreisrat, hält aber vorläufig noch fest an einer anderen, älteren Kulturpublikation: „Tara Bârsei”.

Sie ist eigentlich das Jahrbuch des Kronstädter Museums „Casa Muresenilor” (Marktplatz 25) und wird von einem Redaktionsteam erstellt, dem Museumsdirektor Valer Rus vorsteht. Im Museum wurde vorige Woche die jüngste Ausgabe des Jahrbuchs vorgestellt. Auf dem Klavier, schön aufgereiht, waren die acht Auflagen zu sehen, die ab 2002 als „neue Reihe“ dieses Jahrbuchs erschienen sind. Valer Rus sprach über ein „sehr schwieriges Jahr“ für das Museum und sein Jahrbuch. Die Herausgabe des Jahrbuches hänge direkt davon ab, ob der Kreisrat als Herausgeber die dafür notwendigen Geldmittel im Haushalt vorsehen wird.

Die Kontinuität der Jahrbuchreihe ist also in Frage gestellt. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Falls nicht in gedruckter Form, so wird „Tara Bârsei” weiterhin im Internet abrufbar sein. Bereits jetzt verzeichnet die eigens dafür eingerichtete Webseite (www.tara-barsei.ro) Besucherzahlen, die sich sehen lassen können. Im Vorjahr, so Valer Rus, waren es 16.000 einmalige Besucher – ein guter Beweis, dass es eine Nachfrage für dieses Kulturprodukt gebe. Der junge Museumsdirektor ist sich sicher: „Unsere Publikation wird weiter bestehen, so lange es Leute gibt, die uns Beiträge liefern.“ Sicher wäre es schade, wenn das Jahrbuch nur virtuell im Internet vorliege und nicht, als Druckprodukt, in Bibliotheken und als Quellenangabe in Bibliografien. Mit diesem Jahrbuch kann man sich, vor allem seitdem es auch kurze Zusammenfassungen in den Weltsprachen gibt, international vorstellen und in einen Austausch mit ähnlichen Publikationsreihen treten.

Die Nummer 8 des Jahrbuchs bringt Mitteilungen und Beiträge, die bei den wissenschaftlichen Tagungen im Museum „Casa Muresenilor“ in den Bereichen Geografie („Hundert Jahre seit der Geburt von Akademiemitglied Victor Tufescu“), Geschichte („Unterricht und Bildung im 19. und 20. Jahrhundert“) und Musikgeschichte vorgestellt wurden. Diesmal nicht so gut vertreten sind Themen, die in Verbindung zur Kunst, Literatur und Volkskunde stehen. Das soll bereits nächstes Jahr nicht mehr so sein – mit einer Ausnahme: Was die Literatur betrifft, so wünschen sich die Kronstädter Schriftsteller mehr Freiheit, sie wollen nicht zu Themen schreiben, die ihnen vorgegeben werden.

„Tara Bârsei” erschien erstmals 1929 und galt bis 1938 (als in der ersten Folge die letzte Nummer erschien) als eine Kulturpublikation von regionaler Bedeutung. Heute, so Rus, handelt es sich um ein Jahrbuch, das sich aber nicht nur an den engen Kreis der Forscher wenden will. Wohl deshalb wird auch der Untertitel „Revistã de culturã” beibehalten.

Unter den 45 Autoren des neuesten Jahrbuchs sind auch Gernot Nussbächer („Michael Teutsch – der Verfasser des ersten Kronstädter Lehrbuchs der rumänischen Sprache“) und Steffen Schlandt („Martin Schneider, ein Kantor der Schwarzen Kirche im 18. Jahrhundert“) vertreten. Sämtliche Beiträge samt Bildmaterial sind von der Webseite des Jahrbuches abrufbar. Das Jahrbuch selbst wird beim Museum zum Preis von 36 Lei verkauft.



Schöne neue Handywelt
Von Benjamin Józsa


Heute Morgen waren wieder einmal drei Jahre vergangen. Diesen vergangenen Zeitraum kann ich so gut bestimmen, weil wieder einmal ein Handy – mein Handy – mausetot war und sich auch durch fortgesetzte Mund-zu-Batterie-Beatmung nicht veranlassen ließ, einen einzigen Piep von sich zu geben.

Mit schwarzen Gedanken in der Seele machte ich mich auf zum nächsten Handyladen. Auf dem Weg malte ich mir aus, wie John Motorman, Takeshi Sonyoto und Olof Nokström sich mit in das Gesicht gezogenen Hüten in dem Separée eines sündhaft teuren Restaurants trafen und also miteinander sprachen: Ab heute soll kein Mobiltelefon länger als drei Jahre halten. Die Dinger müssen möglichst schnell unbrauchbar werden, damit sich die User ein neues kaufen müssen. Haltbarkeit ist der Tod, unserer – und sie lachten diabolisch.

Im Laden für Mobiltelefone breitete ein hübsches junges Ding eine Handvoll Handys, der Marke ein-obere-Mittelklasse-Monatslohn-zum-Teufel aus, während ich an die schöne alte Zeit dachte, in der ein Fernsprecher ein Leben lang hielt, auch wenn man mit diesem einem halben Dutzend Einbrechern den Schädel einschlug oder ihn nach einer misslungenen Transaktion einfach gegen die Wand pfefferte – die alten Schwarzweißstreifen sind voll solcher Szenen. Die Erben so eines Geräts mussten Dyamit nehmen, um es endlich loszuwerden.

Zugegeben, die neuen Handys können eine Menge. Man kann von ihnen E-Mails verschicken, ins Internet gehen, Dokumente öffnen und bearbeiten, ob doc, xls oder pdf war dem Handy schnurzegal. Man kann Radio hören und fotografieren damit, Gewichte und Rauminhalte umrechnen, selbst die Weltzeit kostet es nur ein müdes Lächeln. Sogar Handschriften können die Dinger erkennen und in SMS umwandeln. Es war allerhand.

Nun gehöre ich zu den Kunden, die von den Mobilfunkverkäufern mehr gefürchtet werden als schwarze Katzen mit einer tätowierten 13 auf dem Allerwertesten. Ich will nicht mailen vom Handy – schon vom Computer aus ist es zu viel, manchen Zeitgenossen Beachtung zu schenken. Ich kann es mir verkneifen, im Internet nachzusehen, ob ich gerade friere, und außerdem habe ich auch kein Konto auf Facebook, das stündlich mit neuen Bildern meines ach so wichtigen und einzigartigen Lebens gefüllt werden muss.

So entschied ich mich nach kurzem Nachdenken für ein – Stirnrunzeln der Verkäuferin – billigeres Modell, das weder W-Lan sein eigen nennt, noch Excel-Tabellen bearbeiten kann, damit ich meine Ausgaben für Brot und Milch fein säuberlich druckfertig katalogisieren kann. Das Objekt meiner Begierde hat einen Touchscreen – soviel Luxus muss sein, virtuelle Tastatur, virtuelles Ziffernblatt, virtuelle Analog-Uhr und wahrscheinlich tief im inneren virtuelle Sorgen. Das Handy kann schreiben, rechnen, fotografieren und vibrieren. Und wenn ich es drauf ankommen lasse, kann ich damit sogar telefonieren. Die nächsten drei Jahre wenigstens...