Das
blühende Geschäft mit dem illegalen Schrott
Moldomin Neumoldowa wird ausgeraubt / Von Werner Kremm
Zwar kann niemand sagen, wem das ehemalige Erzanreicherungswerk
Moldomin in Neumoldowa noch von Nutzen ist, seit es vor über
vier Jahren abgestellt wurde, aber für Schrotthandelsunternehmen
scheint es nach wie vor eine Goldgrube zu sein. Offiziell
gibt es zwei Unternehmen, eines aus Orawitza und eines aus
Neumoldowa – Moldomin-Direktor Iacob Chisãrãu
konnte nicht präzisieren, wie sie sich nennen –
die mit der Verschrottung eines Teils der Anlagen betraut
sind, doch das Betriebsgelände scheint zu einem Selbstbedienungsladen
für illegale Schrotthändler geworden zu sein.
Vor Kurzem überraschte die Polizei im Raum des stillgelegten
Erzanreicherungswerks zwei vollbeladene Kipplaster, die auf
ein Abfahrtszeichen warteten. Es scheint, dass es auch für
(illegale) Schrotttransporte die sogenannten „Vor-Fahrer“
oder „Späher“ gibt, die den Lkws einige Kilometer
vorausfahren und sondieren, ob „die Luft rein ist“,
das heißt keine Polizei auf den Straßen, die Transportpapiere
kontrolliert.
„Späher“ auch beim Schrotttransport?
Das „System“ ist von den Forsttransporten (mit
illegal gefälltem Holz) bekannt, wo fast kein Lkw sich
mehr bewegt, wenn er nicht von „Spähern“
per Mobilfunk Grünlicht für einen bestimmten Streckenabschnitt
bekommt. Dies ist, laut Polizeiangaben, auch die Erklärung,
wieso man auf den Straßen, die aus (noch bewaldeten)
Bergen des Banats kommen, so oft anscheinend grundlos am Straßenrand
parkende Forsttransporter sieht. Sie warten ganz einfach auf
das Zeichen, gefahrlos, also unbehelligt von der Polizei,
weiterfahren zu können. Die „Vor-Fahrer“
oder „Späher“ im Forstwesen verdienen fabelhafte
Löhne, weiß weiter die Gerüchteküche
zu berichten (von bis zu 10.000 Euro monatlich ist die Rede)
und wären nur zu enttarnen, wenn die Besitzer der Forstunternehmen
sie, unter ernsthaften Druck gesetzt, verraten würden.
Gerade diese „Späher“ waren bei der jüngsten
Bilanztagung der Polizei Gegenstand der Rügen von Präfekt
Octavian Tunea, der erstmals öffentlich auf das Phänomen
aufmerksam machte und von den Polizisten konkrete Fahndungsergebnisse
einforderte.
Um einen vom Profit her vergleichbaren Transport von rund
300 Tonnen (illegal verschrottetem) Alteisen scheint es sich
bei der jüngsten Polizeiaktion gehandelt zu haben. Neben
den bereits beladenen Lkws lag dort noch eine bemerkenswerte
Menge zum Transport vorbereiteter Schrott herum. Doch die
Sofortreaktionen sowohl des Generaldirektors von Moldomin
(ein Ex-Bürgermeister von Neumoldowa, der vorgibt, weder
zu wissen, wie die beiden vertraglichen Schrotthandelsfirmen
heißen, noch wieviel Alteisen diese laut Vertrag nutzen
dürfen) als auch der Besitzerin der Schrotthandelsfirma
aus Orawitza, der die beiden Kipplaster gehören (Florica
N. erklärte, von den Fahrten der Fahrzeuge ihrer Firma
nichts gewusst zu haben), sind wenig aufschlussreich: Keiner
will was vom Ganzen gewusst haben.
Verträge sind zum Ignorieren da
Die Polizei selber hält sich bedeckt und argumentiert,
während der Untersuchungen und um diese nicht zu gefährden,
der Öffentlichkeit keine näheren Auskünfte
geben zu können.
Fakt ist, dass den beiden Schrotthandelsfirmen per Vertrag
die Verschrottung und der Verkauf einer bestimmten Menge Alteisen
vom ehemaligen Anreicherungswerk für Kupferarmerze (Banatite)
zugesagt ist, dass die Polizei aber schon länger den
Verdacht hegt – der vor allem von den ehemaligen Arbeitnehmern
von Moldomin genährt wird, welche die Situation im Werk
noch gut kennen – dass beide Schrotthandelsfirmen sich
bei der Verschrottung regelrecht selbstbedienen und sich keinen
Deut um die vertraglich ausgemachten Mengen und Verschrottungsstellen
kümmern.
Bei Moldomin selber gibt es kaum noch Personal und folglich
auch kaum noch Kontrollmöglichkeiten. Gelegentliche Verhaftungen
von kleinen Schrottdieben – Menschen, die sich ihr karges
Einkommen durch Kleindiebstahl aufzubessern versuchen –
sind eher Ablenkungsmanöver und Hintergehung der öffentlichen
Meinung vor Ort, als dass sie die diebische Verschrottung
von Staatseigentum kaschieren könnten.
Studium zwischen den Kulturen
Fünf aus Rumänien stammende Studenten nehmen am
Secondos-Programm der Uni Regensburg teil / Von Moritz
Kemppel
Jedes Jahr machen in Deutschland mehr als 400.000 Schüler
ihr Abitur. Einige von ihnen, deren Eltern oder Großeltern
z. B. aus Mittel- oder Osteuropa nach Deutschland gekommen
sind, sind zweisprachig aufgewachsen. An diese jungen Menschen
richtet sich das Programm der Universität Regensburg
und versucht, diese Fähigkeit zu vertiefen und als Chance
zu begreifen. Das Secondos-Programm möchte die Möglichkeit
bieten, das wertvolle Potenzial der Zweisprachigkeit zu entfalten
und für die berufliche und persönliche Zukunft der
Teilnehmer nutzbar zu machen.
Der Begriff „Secondos“ kommt aus der Schweiz und
bedeutet soviel wie „die in der zweiten (second) Generation
befindlichen“ Nachkommen von Zuwanderern. Doch auch
Studienanfänger, die keine biografischen Wurzeln, sondern
anderweitig eine enge Beziehung zu einem Land haben, verfügen
über die Gelegenheit, im Secondos-Programm zu studieren.
Studierende aus allen Fachbereichen können am Programm
teilnehmen. Im ersten Studienjahr in Regensburg erhalten sie
die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse aufzubauen, zu
erweitern oder zu vervollkommnen. Im zweiten Studienjahr gehen
die Teilnehmer dann an eine Partneruniversität im Ausland.
Dort soll vorrangig in der Landessprache studiert werden.
Für den Auslandsaufenthalt bietet die Universität
ein umfassendes Betreuungsangebot an, um es den Studierenden
zu erleichtern, sich in ungewohnter und doch vertrauter Umgebung
zurecht zu finden. Im dritten Studienjahr kehren die Studierenden
zurück nach Regensburg, wo sie ihr Bachelorstudium abschließen,
gleichzeitig erwerben sie aber auch den Studienabschluss der
ausländischen Hochschule.
Diesen Herbst startete das Programm für „Secondos“
aus Rumänien. Partneruniversität ist dabei die Babes-Bolyai-Universität
in Klausenburg/Cluj-Napoca. Auch mit der Universität
Pécs in Ungarn besteht seit diesem Jahr ein Partnerschaftsabkommen
und weitere Verträge sind mit Universitäten in Kroatien,
Polen, der Slowakei, Tschechien und der Ukraine in Vorbereitung.
In einer weiteren Phase sollen dann auch entsprechende Abmachungen
mit Hochschulen in Serbien und Russland getroffen werden.
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