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Donnerstag, 4. 3. 2010
  Aktionsplan für den Donauraum
Experten-Netzwerk soll entstehen / Von Ana Sãliste und Raluca Nelepcu


Eine Strategie für die Mittelmeer- und Ostseeregion gibt es bereits, nun sollen auch die Donauländer als europäische Einheit gefördert werden. Bis Ende 2010 wird eine Strategie erarbeitet, die das wirtschaftliche und soziale Potenzial des Donauraums ausschöpfen soll. Ziel dieser Strategie ist, Probleme des Donauraums auf europäischer Ebene gemeinsam besser vertreten zu können und Voraussetzungen für die nachhaltige Entwicklung der Region zu schaffen. Die Donauregion erstreckt sich von Deutschland im Westen bis zur Ukraine im Osten über 14 Länder, darunter acht EU-Mitgliedsstaaten. Die Donaustrategie betrifft Deutschland (Baden-Württemberg und Bayern), Österreich, die Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Rumänien, Bulgarien, die Republik Moldau und die Ukraine.

Auf der Gipfelkonferenz in Budapest, die am 25. und 26. Februar in der Akademie der Wissenschaften unweit der Kettenbrücke stattfand, stand die Donaustrategie im Mittelpunkt der Gespräche – konkret wurde jedoch wenig festgelegt. „Die Europäische Union wäre ohne die Donau viel ärmer. Der Fluss ist ein Diamant Europas“, sagte Gábor Demszky, seit 20 Jahren Oberbürgermeister von Budapest, zum Auftakt der Veranstaltung. Die Donau verbindet auf einer Strecke von 2860 Kilometern zehn europäische Staaten zwischen dem Schwarzwald und dem Schwarzen Meer und ist nach der Wolga der zweitlängste Strom in Europa. Die ersten Pläne zur Gründung eines Donauraums gehen auf das Jahr 1856 zurück. Eine der ersten europäischen Institutionen war die am 30. März 1856 gegründete Europäische Donaukommission, die ihren Sitz ursprünglich in Galati hatte und derzeit in Budapest funktioniert. In Rumänien misst die Donau 1075 Kilometer.

Rumänischer Premier mit Verkehrsprojekt

Sieben Premierminister und Stellvertreter aus den Donauländern waren bei der Gipfelkonferenz in Budapest dabei. Anwesend war auch der rumänische Premier Emil Boc, der zu den wenigen Teilnehmern zählte, die konkrete Projekte vorstellten: Er schlug die Gründung einer Eisenbahn-Schnellverbindung zwischen dem „Herzen Europas“ und dem Südosten des Kontinents vor. Die Strecke Paris – Straßburg – Pressburg/Bratislava solle so ausgebaut werden, dass sie auch die Hauptstädte Budapest und Bukarest sowie den Schwarzmeerhafen Konstanza/Constanta miteinbezieht. „Wir müssen Projekte erarbeiten, um die Donaustrategie wirksam zu machen.
Die Rolle der Politiker ist nicht nur, an Seminaren teilzunehmen, sondern Ideen in die Praxis umzusetzen“, sagte Emil Boc bei der Konferenz. Der rumänische Premierminister erwähnte in seiner Rede auch die Bedeutung der Ausbildung: „Die schulische Ausbildung ist besonders wichtig. Wir müssen sie fördern“, fügte Emil Boc hinzu.

Auch Vladimir Filat, Premierminister der Republik Moldau, äußerte sich zur Donaustrategie. „Auch wenn die Donau nur etwa 430 Meter in unserem Land fließt, sind wir an dieser Strategie sehr interessiert“, sagte der Premier. Vladimir Filat ist sich bewusst, dass die Donaustrategie einen positiven Einfluss auf die moldauischen Bürger haben wird. Er sprach von „unseren Bürgern“ und war nicht der Einzige, der offensichtlich dem „Unser“ zum Nachteil eines europäischen „Wir“ mehr Bedeutung beimaß.

Weniger Wasserverschmutzung

Im Mittelpunkt der Diskussionen standen unter anderen die Verbesserung von Energie- und Verkehrsnetzwerken, die Verringerung der Umweltverschmutzung und der Hochwasserschutz. „Die Kohäsionspolitik ist von entscheidender Bedeutung, um Initiativen in die Praxis umzusetzen“, sagte Johannes Hahn, EU-Kommissar für Regionalpolitik. Als eine Hauptaufgabe sehen alle Beteiligten die bessere Schiffbarmachung der Donau und die Reinigung des Donauwassers. „Der Fluss ist an einigen Stellen so schmutzig, dass ihn niemand als einen Ort der Entspannung und Erholung in Betracht zieht. Da müssen wir eingreifen“, sagte Gábor Demszky. Dem stimmte Peter Langer, Leiter des Ulmer Donaubüros und Initiator der Gespräche über die europäische Dimension der Donau, zu.

115 Millionen Personen leben in der Donauregion. Um zu Aktionen und Ergebnissen zu gelangen, müssen Projekte erarbeitet werden. Das Europäische Parlament wird künftig eine Arbeitsgruppe von Experten zusammenstellen – „Virtual Danube Working Group“. Die Experten werden aus den Ländern der Donauregion stammen und sich online um die Donaustrategie kümmern. Sie werden auch eine Netzwerkplattform erarbeiten, um Katastrophen- und Überschwemmungsrisiken vorzubeugen. „Die Experten werden sich mit der Europäischen Kommission beraten. Aus Brüssel ist es schwieriger, alle Probleme zur Kenntnis zu nehmen“, sagte der rumänische EU-Parlamentarier Peter Luhan. „Wir müssen bei den finanziellen Mitteln, die in diesen Zeiten begrenzt sind, sparen, um alle Risiken zu unterbinden. Auch die Wasserreinigung muss dabei in Betracht gezogen werden. Wasserverschmutzung wird an den territorialen Grenzen nicht gestoppt“, fügte Luhan hinzu.

Informationen über den Donauraum

Künftig soll auch ein Netzwerk von 50 Universitäten aus dem Donauraum entstehen. An der Temeswarer West-Universität soll in den kommenden Jahren ein Fachstudium zum Thema „Donauregion“ angeboten werden. Das Studium richtet sich insbesondere an Journalisten, die über die Donaustrategie berichten werden. Im Rahmen der Gipfelkonferenz kam auch die bessere Vermittlung der Informationen über den Donauraum ins Gespräch. Paolo Magagnotti, Präsident des Europäischen Journalistenverbands, forderte die Politiker und die Journalisten zu einer besseren Kommunikation auf. „Die Frage, die man sich dabei stellt, ist: Was wissen die Bürger über den Donauraum? Die Europäische Kommission muss der Kommunikation eine größere Bedeutung beimessen“, sagte Paolo Magagnotti. Der Europäische Journalistenverband hat dazu eine Kommunikationsstrategie entwickelt. Eine Gruppe von „Donaujournalisten“, die über die neue Region berichten werden, soll noch in diesem Jahr entstehen.

Durch den Donauraum soll auch das Leben der Bürger verbessert werden. „Wir müssen nicht vergessen, dass die Donau sowohl die reichsten, als auch die ärmsten Regionen Europas verbindet. Wir müssen den Donauraum auch sicherer machen, denn es gibt noch zahlreiche Schmuggelfälle, mit denen wir noch klar kommen müssen“, sagte Bozidar Delic, serbischer Vize-premier, dessen Rede manchen Anwesenden zum Nachdenken brachte.

Der Aktionsplan mit den vorrangigen Projekten, die den Donauraum betreffen, wird offiziell im Dezember 2010 in Form einer Mitteilung über die EU-Strategie für den Donauraum angenommen werden.Während der EU-Ratspräsidentschaft Ungarns soll diese Strategie im ersten Halbjahr 2011 umgesetzt werden.

Im Gebäude der Akademie der Wissenschaften Budapest trafen sich Politiker und Experten aus der Donauregion, um über eine künftige gemeinsame Strategie zu debattieren.



Angst vor Imageschaden rumänischer Eier
Die Vereinigung Rumänischer Geflügelzüchter UCPR versucht, die Debatte um die Herkunft ihrer Eier gerichtlich zu unterbinden / Von Kerstin Stark


Die unabhängige Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ und der Ernährungsexperte Prof. Gheorghe Mencinicopschi sagten am 9. Februar auf einer Pressekonferenz, zwei Drittel aller in Rumänien produzierten Eier würden aus Legebatterienhaltung stammen. Die Hühner würden auf einer Fläche von weniger als einem A4-Blatt gehalten und oftmals mit gentechnisch verändertem Futter und pharmazeutischen Nahrungsergänzungsmitteln ernährt werden. „Vier Pfoten“ kündigte die Initiierung einer Kampagne an, die die Öffentlichkeit über diese Zustände aufklären soll.

Anders als zum Beispiel in Deutschland gibt es auf dem rumänischen Markt bislang ein wenig differenziertes Angebot. In den meisten Supermärkten werden ausschließlich Eier aus Käfighaltung verkauft. In Deutschland wurde der öffentliche Druck auf den Lebensmittelhandel in den vergangenen Jahren so groß, dass einige Handelsketten Eier aus Käfighaltung sogar ganz aus dem Sortiment genommen haben. In Rumänien hat der Verbraucher bisher noch kaum die Möglichkeit zu wählen.

Seit 2004 müssen alle in der EU verkauften Eier für den direkten Verzehr, also im Gegensatz zu verarbeiteten Eiern, einen einheitlichen Stempel aufweisen, der Auskunft über Herkunft und Erzeugungsbedingungen gibt. Aus welcher Haltungsform die Eier stammen, können die Kunden an der Ziffer vor dem Länderkürzel erkennen: 0 steht dabei für „ökologische Haltung“, 1 für „Freilandhaltung“, 2 für „Bodenhaltung“ und 3 für „Käfighaltung“. Die Tierschützer empfahlen, möglichst keine mit ‘2’ und ‘3’ gekennzeichneten Eier zu kaufen, sondern nur die mit dem Aufdruck ‘0’ und ‘1’.

Der Vereinigung rumänischer Geflügelzüchter UCPR sind die Äußerungen auf der Pressekonferenz übel aufgestoßen. Die Hühnerhaltung in Legebatterien ist billig, wenn diese erst einmal angeschafft sind. Es können viele Eier auf engem Raum produziert werden. Umrüsten auf Bodenhaltung würde zumindest kurzfristig höhere Kosten verursachen und den Eierertrag verringern. Daher liegt es nicht im Interesse der Geflügelzüchter, dass im öffentlichen Bewusstsein eine Nachfrage nach Eiern aus Freilandhaltung entsteht. Allein dass Verbraucher auf das Problem aufmerksam gemacht werden, könnte den Markt für rumänische Eier aus Legebatterien einbrechen lassen.

Aus diesem Grund gehen die Mitglieder der UCPR nun gerichtlich gegen Prof. Mencinicopschi vor. Sie fordern Ausgleichszahlungen von dem Ernährungsexperten in der Höhe von 1,5 Millionen Lei. Sie werfen ihm vor, die Bevölkerung falsch informiert und so ernsthaften Schaden am Image der rumänischen Eierproduzenten und in der Folge einen Rückgang der Verkaufszahlen verursacht zu haben. Wie UCPR-Präsident Ilie Van auf einer Pressekonferenz bekannt gab, haben bereits 14 Vereinigungsmitglieder die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ sowie Prof. Mencinicopschi verklagt.

Die Hersteller meinen, dass mit gezielten Fehlinformationen die einheimische Eierproduktion zerstört werden solle, um Eierimporten ausländischer Produzenten Tür und Tor zu öffnen. Es würden nicht 75 Prozent der jährlich in Rumänien produzierten Eier aus Legebatterien stammen, wie der Ernährungswissenschaftler Mencinicopschi behauptet hätte, sondern lediglich 17 Prozent. Auch würden die rumänischen Hersteller die EU-Richtlinien aufs Genaueste befolgen, wonach der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GMO) in der Geflügelzucht verboten sei.

Prof. Mencinicopschi gab als Reaktion auf die Anklage bekannt, dass nicht er, sondern Vertreter von „Vier Pfoten“ die strittigen Aussagen gemacht hätten und dass er die UCPR seinerseits wegen Verleumdung und Einschränkung des Rechts auf Information verklagen werde. Er habe lediglich gesagt, dass die Verbraucher in der Europäischen Union machtvolle Rechte besitzen würden. „Ich habe gesagt, dass jeder Verbraucher das Recht hat, richtig informiert zu werden, und dass es vier Typen von Eiern gibt (...), dessen ist sich nur ein Prozent der Rumänen bewusst.“

2012 tritt eine EU-Richtlinie in Kraft, die zumindest die Tierhaltung in Legebatterien in allen Mitgliedsstaaten verbietet. An deren Stelle tritt die so genannte „Kleingruppenhaltung“, bei der die Hühner in etwas größeren Käfigen und getrennt von ihren eigenen Ausscheidungen gehalten werden müssen. Diese Haltungsart bedeutet also nur begrenzte Verbesserung und ist unter tierethischen und ökologischen Gesichtspunkten ebenfalls umstritten. Aber der Erlass dieser Richtlinie deutet zumindest darauf hin, dass die EU ihr Problembewusstsein für Tier- und Verbraucherschutz geschärft hat.

Die Äußerungen von Prof. Mencinicopschi und der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ haben die öffentliche Diskussion darauf gelenkt, dass die Hühnerhaltung in Legebatterien nicht nur unter tierethischen Aspekten problematisch ist, sondern auch negative Auswirkungen auf die Qualität der Eier hat und damit auf die Gesundheit des Verbrauchers. Diese Aufklärung ist wichtig, die Freiheit auf Information darf nicht aus wirtschaftlichen Einzelinteressen eingeschränkt werden. Der Verbraucher hat ein Recht darauf, auf der Grundlage zuverlässiger Informationen über Herkunft und Produktionsbedingungen selbst zu entscheiden, welche Produkte er kauft. Eine öffentliche Debatte hilft, diese Rechte auch gegen den Widerstand der Lebensmittelproduzenten durchzusetzen.