Suche  
 
  Schreiben Sie unsWir über uns  
Politik
Wirtschaft
Meinung und Bericht
Lokales
Kultur
 
Abos
Anzeigen
 
Mittwoch, 1.09.2010
  370 Geldstrafen in einer Nacht
Polizei erwischt sündige Fahrer / Führerscheinprüfung bald schwerer / Von Raluca Nelepcu


Äußerst aufgeregt ist der Mann am Steuer, sein Herzrhythmus hat sich beschleunigt, er gestikuliert wild und beschimpft den anderen Autofahrer, der nun langsamer fährt, um einem anderen Fahrer die Vorfahrt zu gewähren. Der Fahrer, der sich heute beleidigen lässt, ist kein Geringerer als der Präfekt des Verwaltungskreises Temesch/Timis, Mircea Bãcalã. Er bewahrt die Ruhe, doch gerade gefallen lassen will er sich das dann doch nicht. Er wählt die „112“ und meldet den Vorfall bei der Polizei. Einen Tag später erwischen die Beamten den übernervösen Mann. Er ist 30 Jahre alt und besitzt keinen Führerschein, ab sofort aber eine wohlverdiente Strafakte.

Der Vorfall, der sich vor Kurzem in Temeswar/Timisoara zugetragen hat, ist kein Einzelfall. Nervosität am Steuer gehört zum Alltag in Rumänien, aber auch andere strafbare Handlungen sind meistens dabei. „Ich werde die Verkehrspolizisten beauftragen, die Kontrollen zu verschärfen“, hatte der Präfekt Mircea Bãcalã versprochen.

Eine Bilanz der Temescher Verkehrspolizei wurde kurze Zeit später publik gemacht. In den vergangenen fünf Monaten haben die Polizisten fast 18.000 Geldstrafen erteilt, davon etwa 11.500 für die Überschreitung der legalen Geschwindigkeit, 1800 für die Nichtanlegung des Sicherheitsgurtes und fast 400 für gesetzwidrige Überholmanöver. Gleichzeitig wurden etwa 350 Strafen an Autofahrer vergeben, die die Fußgänger nicht vorschriftsgemäß die Fahrbahn queren ließen. Ungefähr 150 Autofahrer, die am Steuer das Handy benutzten, wurden bestraft. Mehr als hundert „übersahen“ die rote Farbe der Ampel und bekamen Geldstrafen, 70 hielten an verbotenen Stellen an und wurden dabei ertappt. Bei einer Großfahndung im Verwaltungskreis Temesch, an der sich fast 400 Polizisten beteiligten, wurden in einer einzigen Nacht insgesamt 370 Geldstrafen erteilt – eine Zahl, die einen zum Nachdenken anregt.

Leute, die keinen Führerschein besitzen, sich aber trotzdem ans Steuer setzen, erhalten nicht nur eine Geldstrafe, sondern müssen sich auch vor Gericht für ihre Tat verantworten. Demnächst soll es auch nicht mehr so leicht sein, einen Führerschein zu bekommen. Das Gesundheitsministerium hat nämlich strengere Vorschriften gefordert, was die medizinische Untersuchung vor der Fahrprüfung betrifft.
Wenn bis vor Kurzem ein medizinisch-psychologisches Gutachten gegen Bezahlung erhältlich war, so sollen demnächst neue Regeln eingeführt werden. Die Kommission, die die Kandidaten prüft, kann eine medizinische Untersuchung fordern, falls beim Kandidaten Anzeichen von gesundheitlichen Problemen bemerkt werden. Herzkranke Menschen und Leute mit akut niedrigem Zuckerspiegel, mit gefährlichen neurologischen Problemen oder die an Epilepsie leiden, Alkoholiker und Drogensüchtige werden keinen Führerschein bekommen oder das alte Dokument erneuern können. Das Gesundheitsministerium fordert strenge medizinische Untersuchungen für Berufsfahrer, die ihren Führerschein wechseln müssen.

Einer vom Straßenverband der Europäischen Union herausgegebenen Europäischen Straßenstatistik zufolge, stellte sich heraus, dass Rumänien im vergangenen Jahr den letzten Platz in Europa belegte, was die Verminderung der Zahl der Unfalltoten in der Zeitspanne 2001 – 2008 betrifft. 65 Prozent der Rumänen fühlen sich unsicher auf der Fahrbahn, während nur 24 Prozent der Europäer allgemein diese Meinung teilen.



Täglich in deutscher Sprache.
In Rumänien und weltweit.
Seit über 60 Jahren.
  top