| |
|
|
 |
  |
| |
370
Geldstrafen in einer Nacht
Polizei erwischt sündige Fahrer / Führerscheinprüfung
bald schwerer / Von Raluca Nelepcu
Äußerst aufgeregt ist der Mann am Steuer, sein
Herzrhythmus hat sich beschleunigt, er gestikuliert wild und
beschimpft den anderen Autofahrer, der nun langsamer fährt,
um einem anderen Fahrer die Vorfahrt zu gewähren. Der Fahrer,
der sich heute beleidigen lässt, ist kein Geringerer als
der Präfekt des Verwaltungskreises Temesch/Timis, Mircea
Bãcalã. Er bewahrt die Ruhe, doch gerade gefallen
lassen will er sich das dann doch nicht. Er wählt die „112“
und meldet den Vorfall bei der Polizei. Einen Tag später
erwischen die Beamten den übernervösen Mann. Er ist
30 Jahre alt und besitzt keinen Führerschein, ab sofort
aber eine wohlverdiente Strafakte.
Der Vorfall, der sich vor Kurzem in Temeswar/Timisoara zugetragen
hat, ist kein Einzelfall. Nervosität am Steuer gehört
zum Alltag in Rumänien, aber auch andere strafbare Handlungen
sind meistens dabei. „Ich werde die Verkehrspolizisten
beauftragen, die Kontrollen zu verschärfen“, hatte
der Präfekt Mircea Bãcalã versprochen.
Eine Bilanz der Temescher Verkehrspolizei wurde kurze Zeit später
publik gemacht. In den vergangenen fünf Monaten haben die
Polizisten fast 18.000 Geldstrafen erteilt, davon etwa 11.500
für die Überschreitung der legalen Geschwindigkeit,
1800 für die Nichtanlegung des Sicherheitsgurtes und fast
400 für gesetzwidrige Überholmanöver. Gleichzeitig
wurden etwa 350 Strafen an Autofahrer vergeben, die die Fußgänger
nicht vorschriftsgemäß die Fahrbahn queren ließen.
Ungefähr 150 Autofahrer, die am Steuer das Handy benutzten,
wurden bestraft. Mehr als hundert „übersahen“
die rote Farbe der Ampel und bekamen Geldstrafen, 70 hielten
an verbotenen Stellen an und wurden dabei ertappt. Bei einer
Großfahndung im Verwaltungskreis Temesch, an der sich
fast 400 Polizisten beteiligten, wurden in einer einzigen Nacht
insgesamt 370 Geldstrafen erteilt – eine Zahl, die einen
zum Nachdenken anregt.
Leute, die keinen Führerschein besitzen, sich aber trotzdem
ans Steuer setzen, erhalten nicht nur eine Geldstrafe, sondern
müssen sich auch vor Gericht für ihre Tat verantworten.
Demnächst soll es auch nicht mehr so leicht sein, einen
Führerschein zu bekommen. Das Gesundheitsministerium hat
nämlich strengere Vorschriften gefordert, was die medizinische
Untersuchung vor der Fahrprüfung betrifft.
Wenn bis vor Kurzem ein medizinisch-psychologisches Gutachten
gegen Bezahlung erhältlich war, so sollen demnächst
neue Regeln eingeführt werden. Die Kommission, die die
Kandidaten prüft, kann eine medizinische Untersuchung fordern,
falls beim Kandidaten Anzeichen von gesundheitlichen Problemen
bemerkt werden. Herzkranke Menschen und Leute mit akut niedrigem
Zuckerspiegel, mit gefährlichen neurologischen Problemen
oder die an Epilepsie leiden, Alkoholiker und Drogensüchtige
werden keinen Führerschein bekommen oder das alte Dokument
erneuern können. Das Gesundheitsministerium fordert strenge
medizinische Untersuchungen für Berufsfahrer, die ihren
Führerschein wechseln müssen.
Einer vom Straßenverband der Europäischen Union herausgegebenen
Europäischen Straßenstatistik zufolge, stellte sich
heraus, dass Rumänien im vergangenen Jahr den letzten Platz
in Europa belegte, was die Verminderung der Zahl der Unfalltoten
in der Zeitspanne 2001 – 2008 betrifft. 65 Prozent der
Rumänen fühlen sich unsicher auf der Fahrbahn, während
nur 24 Prozent der Europäer allgemein diese Meinung teilen.
Täglich in deutscher
Sprache.
In Rumänien und weltweit.
Seit über 60 Jahren. |
| |
 |
|
|