Größte Bodentransaktion in der Westregion

1,3 Millionen Euro für 142 Hektar Banater Ackerland

Freitag, 15. Januar 2016

Die gute Schwarzerde der Banater Heide verspricht gute Erträge.
Foto: Zoltán Pazmány

Es ist sicherlich erst der Anfang: Der rumänische Bodenmarkt boomt in den letzten Jahren wie nie zuvor. Zusätzliche Impulse erhielt der Markt in erster Etappe nach dem EU-Beitritt Rumäniens, aber in besonderem Maße erst nach der am 1. Januar 2014 erfolgten Liberalisierung des Bodenmarktes. Keinen wundert es, dass die Westregion, die ertragreiche Banater Heide, der Landstrich in der Donautiefebene mit seiner wertvollen Schwarzerde, ganz oben in der Liste der Bodentransaktionen rangiert. Bezeichnender-weise wurde die größte Transaktion von Ackerboden des Vorjahres in Rumänien kurz vor Jahresschluss genau im Banat, bzw. im Umfeld der Temescher Gemeinde Wojteg, verzeichnet. U

nd es geschah diesmal nicht wie sonst, dass ein rumänischer Bodenbesitzer an einen geldkräftigen ausländischen Investor verkauft, sondern überraschenderweise umgekehrt: Der italienische Staatsbürger Marchionnu Ruggero verkaufte dem rumänischen Landwirtschaftsunternehmer Petru Mateiu Corvin aus Wojteg 142,2 Hektar Ackerland zum Durchschnittspreis von über 9180 Euro pro Hektar zum Gesamtpreis von zirka 1,3 Millionen Euro. Diese Ende Dezember 2015 abgewickelte Transaktion hob den Durchschnittspreis für Ackerboden in Rumänien um einige Prozente. Der Käufer Petru Mateiu Corvin, 47, ist einziger Gesellschafter der Firma Agro Nevada Tim GmbH, die derzeit 32 Personen beschäftigt und 2014 ein Geschäftsvolumen im Wert von 34,2 Millionen Lei und einen Profit von 7,1 Prozent registrierte. Diese gutgehende einheimische Gesellschaft, deren Hauptgegenstand der Getreidebau ist, wurde 2008 gegründet. Bisher hatte diese Firma die nun angekaufte Ackerfläche in Pacht. Die Gesellschaft des italienischen Bodenbesitzers wurde im Jahr 2000 gegründet und hat im Vorjahr ein Geschäftsvolumen im Wert von 1,4 Millionen Lei erreicht, jedoch 2015 auch beträchtliche Verluste von 1,2 Millionen Lei hinnehmen müssen.
 

Höchster Hektarpreis 2015: 50.000 Euro in Sanktanna

Der durch diese Bodentransaktion erreichte Durchschnittspreis von 9180 Euro pro Hektar war weit über dem durchschnittlichen Hektarpreis (zirka 5000 Euro), der bisher für Ackerland im Gebiet Wojteg galt.
Der bisher in Rumänien erzielte Rekordpreis von 50.000 Euro pro Hektar Ackerland wurde, wie in der ADZ berichtet, im Juni 2015 ebenfalls in der Westregion bzw. in der Kleinstadt Sanktanna, Kreis Arad, verzeichnet: Der italienische Unternehmer Fabrizio Bruno, Vertreter der Firma Corn Valley Est, hat nämlich 2,6 Hektar Ackerboden von zwei Privatpersonen aus Sanktanna zum Gesamtpreis von 131.000 Euro angekauft. Die Großfirma plant hier den Bau eines Getreidesilos als Schlüsselstandort für ihre künftigen Geschäftspläne in dieser Region der EU. Der beglichene Rekord-Hektarpreis von 50.000 Euro lag 15-mal höher als der Durchschnittspreis im Landeskreis Arad.

Wie hoch der Wert eines Hektars des ertragreichen Ackerbodens aus der Westregion auf dem Markt eingeschätzt wird, zeigt jedoch auch eine andere Transaktion des Jahres 2015. Ende April schloss die Firma Grossmann Land des deutschen Investors Peter Grossmann mit italienischen Unternehmern einen Kaufvertrag ab über 110 Hektar Ackerland bei Şimand, Kreis Arad, in der Nähe der rumänisch-ungarischen Staatsgrenze, zum Hektarpreis von 9400 Euro.

Nach den bisherigen Bodentransaktionen muss es schon als Ausnahme gewertet werden, dass ein rumänischer Unternehmer von einem ausländischen Investor rumänischen Ackerboden ankauft und sich gar einen wertmäßig derart teuren Kauf leistet. Es könnte sich aber auch der zaghafte Anfang eines neuen Trends auf dem boomenden einheimischen Bodenmarkt anbahnen, das heißt, dass die einheimischen Landwirte mal den Spieß umdrehen. Bis zu einer solchen möglichen Neuentwicklung sprechen jedoch vorläufig die nackten Tatsachen: Im Kreis Temesch z. B. befinden sich 75.000 Hektar Ackerland in fremder Hand, das macht 15 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Kreises von 800.000 Hektar aus. Und nirgends in der EU – das ist statistisch belegt – ist der Anteil ausländischen Eigentums an Ackerboden so hoch wie in Rumänien – 800.000 Hektar bzw. 8,5 Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche. Führend sind weiterhin italienische Investoren (23 Prozent), es folgen Deutsche (15), Araber (10), Ungarn (8) und Spanier (6).

Die höchsten durchschnittlichen Hektarpreise für Ackerboden werden derzeit – außer in den Landeskreisen Temesch und Arad – in den Kreisen Călăraşi, Ialomiţa und Giurgiu verzeichnet. Die kleinsten Hektarpreise werden in den Kreisen Hunedoara (1500-1800 Euro), Vaslui, Sathmar, Dolj, Olt, Vrancea, Harghita, Bacău und Galatz bezahlt. Im Banater Landkreis Karasch-Severin liegt der durchschnittliche Hektarpreis am niedrigsten, bei 2000-2500 Euro. Die Fachleute prophezeien jedoch , dass der Hektarpreis im Banat einen unaufhaltsamen Aufwärtstrend halten und im folgenden Jahrzehnt bis 2025 gar auf 15.000-20.000 Euro klettern wird.

Kommentare zu diesem Artikel

johann, 31.07 2016, 10:03
Sanktanna- Seifenblase. Bitte aufmerksamer recherchieren
Tourist, 16.01 2016, 14:44
Sanktanna ist quasi die Kukurutzhauptstadt im Banat. Rundherum endlose brettelebene Kukurutzfelder, kilometerweit kein Baum, keine andere Pflanze, nur Kukurutz.

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