Museum, Spielplatz oder Restaurant

Pläne zur Wiederbelebung des Temeswarer Wasserturms

Freitag, 11. November 2011

Der Temeswarer Wasserturm ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden.
Foto: Zoltán Pázmány

Er sieht aus, als ob er aus einem Märchen stammen würde. Auf jeden Fall ist er alt, sehr alt, wissen die Bewohner der Josephstadt. Nein, es ist nicht der Turm, aus dem die Märchengestalt Rapunzel ihre Haare hinunterließ, sondern der Wasserturm von Temeswar/Timişoara, ein Symbol der Stadt, auch auf dem Temeswarer Wappen abgebildet. Erbaut wurde er in den Jahren 1912-1914 und beherbergte eine Wasseraufbereitungsanlage.

Die Notwendigkeit eines Wasserturms wurde deutlich, nachdem 1912 die Kläranlage in Betrieb genommen wurde. Seit den 40er Jahren wird der Wasserturm nicht mehr benutzt, sondern steht verlassen da, wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Es ist verboten, ihn zu betreten, doch das Verbot wird von den Kindern aus der Gegend oft umgangen. Wie ein Magnet lockt er sie an, die dann mit Hilfe von Seilen versuchen, emporzuklettern und einen Blick ins Innere des Turms zu werfen. Ein magischer Ort ist der Wasserturm von Temeswar auf jeden Fall.

Knapp eine Woche ist es her, seitdem die Gesellschaft für Siedlungswasserbewirtschaftung Aquatim zusammen mit der Fakultät für Architektur aus Temeswar eine Debatte über die Umfunktionierung des Wasserturms veranstaltete. In Temeswar gibt es zwei Wassertürme, einen in der Josephstadt und einen in der Nähe des ehemaligen Heuplatzes (Badea Cârţan). Der Josephstädter Wasserturm soll demnächst wiederbelebt werden, denn immerhin ist es ein Bau, der alle Blicke auf sich zieht. Er befindet sich in Besitz des Bürgermeisteramtes Temeswar und wird von Aquatim verwaltet.  Der Turm am Heuplatz ist in Privatbesitz.

Als Stadt der Premieren ist Temeswar rumänienweit bekannt. Bereits 1552 gab es hier einen Wasserturm, der die Gegend mit Trinkwasser versorgte. Der Turm, der jetzt unweit der Solventul-Fabrik steht, stammt aus dem Jahr 1912. Gebaut wurde er von der Budapester Firma eines gewissen Josef Lenorduzzi, während für den Entwurf der Stadtarchitekt Lászlo Székéely zuständig war. Mehr als 200.000 Kronen kostete der 52 Meter hohe Bau zur damaligen Zeit.

Bei der öffentlichen Debatte, die im Aquatim-Hauptquartier stattfand, präsentierten die angehenden Architekten mehrere Projekte. Die meisten hatten sich vorgestellt, den Turm zu einem Wasser- oder Technikmuseum umzubauen –  kein langweiliges Museum jedoch, sondern eines, das den Besuchern einen interaktiven Rundgang bietet. Andere überlegten, Läden oder Restaurants im Turm unterzubringen.

Zu den interessantesten Plänen gehörte das Projekt eines sogenannten „Spiel-Turmes“, denn in der Gegend gibt es keinen Spielplatz für Kinder. Auch zu einem Kletterturm oder Aquarium könnte der Wasserturm umgebaut werden, überlegten die Architekturstudenten.

In vielen Städten Deutschlands wurden die historischen Wassertürme umfunktioniert. Viele beherbergen Museen, aber auch Veran staltungsräume oder Gaststätten und sind zu Tourismusmagneten geworden.  Noch steht nicht genau fest, was aus dem Temeswarer Wasserturm werden wird.

In einem Punkt waren sich aber die Architektur-Studenten einig: Das Dachgeschoss des Wasserturms eignet sich gut als Aussichtspunkt, denn es bietet ein wunderbares Panorama über ganz Temeswar.

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